"Wie beim Brontosaurier" und ähnliche Werkstattgedanken
Vergleiche mit den Donnerechsen – was Brontosaurus eigentlich heisst – sind in der Regel nicht sonderlich schmeichelhaft. Zu schmeicheln, dazu bin ich denn auch tatsächlich nicht immer aufgelegt, wenn es um ein spezifisches Auto meines Fuhrparks geht. "Kein Wunder", werden viele sagen. Wer sich einen Jaguar der 1980er-Jahre antut, braucht sich auch nicht zu beklagen, wenn es Anlass zu Verdruss damit gibt. Doch für einmal muss ich Entwarnung geben, es gibt auch positive Überraschungen damit:
Das Saisonende 2024 bedeutete für den Jaguar eine kurze Fahrt vom Büro an die Auto Zürich in Oerlikon im November. Unterwegs hatte die Batterielampe zu leuchten begonnen, die Ladeanzeige hingegen vermochte sich noch einigermassen im Ladebereich zu behaupten. Trotzdem – die Vorstellung, irgendwo im Zürcher Stadtverkehr liegen zu bleiben, war nicht sehr erbaulich.
Motorraum eines Jaguar XJ12 – ein Blick in die Schlangengrube, der Alternator sitzt rechts vom Motorblock, unterhalb von da, wo die Werkstattleuchte blendet
Seltsam war allerdings, dass die elektrische Anlage keinerlei Schwächen zeigte. Weder wurde das Licht nach einem Motor-Aus schwächer noch hat der Anlasser Mühe gehabt, den Motor wieder zu starten.
Die Heimfahrt gelang danach trotz leuchtender Leuchte problemlos. Und genau so, wie ich manchmal meine automobilen Probleme zu lösen pflege, wanderte auch der Jaguar nach den Ereignissen erstmal unberührt ins Winterlager – das würde ich dann später mal erledigen. Die Anschlüsse des Alternators hatte ich zuvor zwar nochmals geprüft, der Befund blieb der gleiche: Der Stromerzeuger lädt leidlich, die Lampe leuchtet aber weiterhin.
Irgendwo da unten waren auch meine Hände...
Mit dem Herannahen des Frühlings wurde – natürlich – auch meine Lust geweckt, wieder einmal den Jaguar hervorzuholen. Doch nicht bevor ich nun dem Problem auf den Grund gegangen war. Meine Vermutung lag von Anfang an bei einem schlecht angeschlossenen oder gar abgefallenen Kabel für den Erregerstrom des Alternators. In der Tat war dieses Kabel bereits mit einem dazwischen gesetzten Stück verlängert worden. Ob solches bereits im Werk passiert ist, bleibt ungewiss. Ich habe das Ganze auf jeden Fall neu installiert und gesichert. Das Resultat blieb sowohl bei der Ladeanzeige wie bei der Batterielampe – dasselbe! Dank etwas Mut und Hartnäckigkeit entschloss ich mich trotzdem zu einer grösseren Proberunde.
Und tatsächlich: Als hätte irgendwo der Kupferwurm eine Blockade gelöst, schnellte nach einigen Kilometern der Ladezeiger dann doch noch nach oben und die Batterielampe erlosch. "Genau wie bei einem Brontosaurier!" so schoss mir der Gedanke durch den Kopf. Genau so, wie wenn ihm damals jemand auf den Schwanz getreten ist: Mit einer ordentlichen Verzögerung bis das Signal da ankam, wo es hinsollte. Gewisse Saurier verfügten angeblich deshalb im Rückenmark extra über einen zusätzlichen Nervenknoten, eine Art Zweit- oder Hilfshirn, damit die wesentlichsten Reflexe dort vorverarbeitet werden konnten und subito an das faustgrosse Hirn des Riesen weitergeleitet – so vermutet man jedenfalls.
Hatte angeblich eine lange Reaktionszeit: Brontosaurus ©Wikipedia by John Parker
Meine brennende Frage, nebst einigen Gedanken und Erinnerungen an Dinosaurier – meiner zweiten Passion als Kind neben den Autos – lautet nun, ob ich mein Auto dank des neuen Erregerstromkabels eigenhändig repariert habe, oder ob der mir bis heute nicht so ganz geheuere XJ-Jaguar der Serie 3 sich schlicht selbst zu reparieren versteht. Falls dem so wäre, ist dies wie bei dem Sauropoden mit Verzögerung passiert.
Dabei soll man sie nicht unterschätzen, die Dinos! Wie man weiss, haben sie von allen Grosstieren diesen Planeten bisher am längsten bevölkert. Sie könnten somit einen echten Nutzen daraus gezogen haben, eine buchstäblich lange Leitung zu haben: Selbst wenn der Tyrannosaurus ihnen längst am Hintern hing, sind sie unverdrossen einfach weitergetrottet und haben sich – statt in Panik zu verfallen – ihre Haut gerettet, etwa dann, wenn sie sich wieder ihrer Herde angeschlossen haben. Die Herde hat dann den kurzarmigen Fresssack mit vereinten Kräften in die Flucht geschlagen.
Aber Achtung! Ich merke gerade, dass meine Fantasie durchbrennt, darum zurück zu meinen wirklich wichtigen Werkstatt-Themen: Der DeSoto steht noch immer genau so da, wie ich ihn von Lapalisse nach Hause gebracht habe – man müsste den Hauptbremszylinder endlich mal wechseln…

































