Das fehlende Etwas
Vor einigen Tagen schaute ich mir den umfangreichen Fahrtest zum Lotus Evija von Top Gear auf YouTube an. Dieser Hyper-Sportwagen geistert schon seit vielen Jahren durch die Presse, vorgestellt wurde er bereits im Juli 2019 – ja, so lange ist das schon her.
Der britisch-chinesische Hyper-Sportwagen mit über 2000 PS und maximal 1704 Nm Drehmoment wurde unter anderem dafür berühmt, dass er am Goodwood Festival of Speed 2024 kurz nach dem Start in einer Rauchwolke rechts abbog und verunfallte. Die Serienproduktion wurde immer wieder verschoben, es sollen aber einige Wagen gebaut und für rund USD 2,3 Millionen abgeliefert worden sein.
Der Top-Gear-Testfahrer zeigt sich vom Kraftpaket mit Allradantrieb und umfangreicher Steuerungselektronik beeindruckt, er vergleicht den Wagen, der übrigens ohne künstliche Motorengeräusche auskommt, mit einem Raumschiff. Zwei Sekunden dauerte der Spurt von 0 auf 100 km/h, sieben Sekunden später seien 300 km/h erreicht. Der Mittelmotor-Sportwagen konzentriert das Gewicht der Batterie hinter der Besatzung, um eine klassische Gewichtsverteilung zu erreichen. Auf Rekuperation verzichtet der Wagen komplett, gebremst wird nur mit den massiven Scheibenbremsen. Als Reichweite sollen mit dem 70-kWh-Akkupaket gemäss Werk etwa 195 Meilen, also etwa 314 km möglich sein, Top Gear kommt allerdings auf deutlich geringere Reichweiten, insbesondere wenn im Sport-Modus gefahren werde.
Überraschenderweise stehen dem “Hypercar” weniger der fehlende Motor oder die vermisste Gangschaltung im Wege, sondern die Feinabstimmung bei der Nutzung auf öffentlichen Strassen.
Nun, aus meiner Sicht geht etwas vergessen hier. Und wer je schon in einem Lamborghini Miura, einem Ferrari F40, TVR Tuscan oder auch in einem Alfa Romeo GTV6 oder Porsche Boxster (mit Sechszylindermotor) fahren durfte, der kann vielleicht nachvollziehen, wovon ich spreche.
Wenn man sich in den Lotus Evija setzt und auf den Startknopf drückt, dann passiert überhaupt nichts. Im Lamborghini oder TVR aber, da wird das ganze Auto lebendig, wenn man den Zündschlüssel dreht. Es beginnt mit dem lustvollen Kreischen des Anlassers und geht dann über eine zunehmend gleichförmige Drehung des Motors weiter. Bereits zu diesem Zeitpunkt stellen sich die Härchen am Nacken auf, als Pilot ist man mitten im Geschehen und dabei hat man sich noch keinen Meter vorwärtsbewegt.
Die spürbare technische Faszination, die von einem Hubkolbenmotor ausgeht, kann ein elektrisches Auto auch mit noch soviel Leistung und Vortrieb nicht kompensieren. Vielleicht lässt sich der Lotus Evija auch deshalb nicht besonders gut verkaufen?


























