Der Silberpfeil unter den Renntransportern
Der berühmte Rennwagen-Schnelltransporter von Mercedes-Benz war 1954 ein rollender Extremismus – sowohl in den Fahrleistungen als auch in den Proportionen. Während sich Opel-Kapitän-Piloten mit mühsam erkämpften 140 km/h als Könige der linken Spur fühlten, kam im Rückspiegel das "Blaue Wunder" mit über 160 Sachen angerast. Dass man das Ganze trotzdem noch steigern konnte, bewies sieben Jahre später natürlich ein Amerikaner.
Norman Holtkamp handelte in Inglewood mit VW- und Porsche-Erzeugnissen, fuhr aber in seiner Freizeit mit Vorliebe sogenannte "Midget-Rennen" mit kleinen Einsitzern. Der Transport von Rennstrecke zu Rennstrecke mittels Anhänger wurde ihm indes bald zu mühsam – zu instabil bei hohen Geschwindigkeiten, zu umständlich beim Rangieren. Huckepack auf einem Transporter würden sich die kleinen Flitzer viel bequemer mitnehmen lassen.
Also schnappte er sich im Jahre 1960 einen Mercedes-Benz 300 vom Schrott und schnitt 20 Zoll aus der Bodenplatte heraus, wodurch sich der Radstand auf 239 Zentimeter und damit noch unter das Mass eines VW-Käfers reduzierte. Die hintere Eingelenk-Pendelachse durfte an ihrem Platz bleiben, doch statt des Dreiliter-Sechszylinders installierte er mittschiffs einen Fünfliter-V8 aus der Corvette.
Designer Dave Deal wandelte Holtkamps Skizzen in brauchbare Konstruktionszeichnungen, die bei Trountman-Barnes Customs in Aluminium geklopft wurden. Die Fahrerkabine lieh sich Holtkamp von einem Chevrolet El Camino. Damit auch im unbeladenen Zustand alle vier Räder auf dem Boden blieben, wurde im Heck zusätzlich zu den zwei Kraftstofftanks noch ein Wassertank als Lastenausgleich installiert.
Ende 1961 war der "Cheetah Transporter" fertig und sogleich der Star in jedem Fahrerlager an der Westküste. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 112 Meilen pro Stunde (180 km/h) fuhr er sogar dem deutschen Vorbild davon. Freilich war das Fahrverhalten ob des kurzen Radstands sehr abenteuerlich, weshalb Holtkamp schon bald eine Verlängerung in Angriff nahm, die er jedoch nie vollendete.
Kurz darauf wechselte der halbierte Hauler in den Besitz von Speed-Shop-Gründer Dean Moon. Im Gegensatz zum "Blauen Wunder", das 1967 verschrottet und von 1993 bis 2000 für teures Geld rekonstruiert wurde, existiert der silberne US-Schnelllaster bis heute – und sein aktueller Besitzer hat sich fest vorgenommen, die beiden Hälften wieder zu einem Fahrzeug zusammenzufügen.

































