Gedanken zu einer absoluten „Edelfeder“ – In Memoriam Herbert Völker
Es gibt nur ganz wenige, die Wortspiele so perfekt einsetzen konnten, wie es Herbert Völker drauf hatte. Am 1. Juni 2025 musste er leider seinen Stift zur Seite legen und seine Gedankenwelt wird uns nie mehr wieder in seinen Bann ziehen können. Was bleibt sind all seine Artikel und Bücher. Seine Schreibe war schlichtweg genial! Als kleine Beispiele:
Zu Walter Röhrl:
"Langer Kerl, schon einmal ein Stichwort. Den Röhrl einmal gesehen, und du wirst ihn nie verwechseln. So lang, so dürr, so geschmeidig, wenn er sich in irgendein steiles Gerät einfädelt, und nach den Haxen passt sogar noch der Rest samt Helm unters Dach.“ (50 Jahre Autorevue 1&2 2025)
Oder zu einer anderen berühmten Gestalt:
"Ich sass dem Mann genau gegenüber und dachte, keinem Menschen würde etwas an ihm auffallen. Er sah normal gut aus, trug ein aussergewöhnlich buntes, aber geschmacksicheres Hemd. Plötzlich, fast hätte ich es übersehen, weil ich selbst am Reinschaufeln war, sackte die Unterlippe ab, die Stirn zerlegte sich in sechs Querfalten von geometrischer Strenge, die Nase erhob sich zu De-Gaulle-hafter Würde, während sich die Augenlider senkten zu belämmerter Ratlosigkeit, prächtig gedeckelt von mächtigen Brauen. Nun kamen auch die Ohren zu Leben, erst in der Höhenlage anmutig zur Seite strebend, feinst gezeichnet in ihrer markanten Dimension, und sobald er da mal drin war, kam er auch nicht mehr raus für den Rest des Abends, und wenn er plauderte, schaute oder fragte, wenn er innehielt oder am geschnetzelten Rindfleisch knabberte, für den Voyeur vis-à-vis ergab sich das beglückende Gefühl: DER IST SO, ALLES ECHT, der braucht sich nur hinzustellen oder hinzusetzen und er selber sein, und du pisst dich an, leise glucksend vor Vergnügen."
Ich sass zufällig direkt neben Herbert am selben Tisch und kann die Worte nur bestätigen. Tja, um wen es sich hier handelt, ist eigentlich ganz einfach zu erraten: Mr Bean! Die Geschichte zur 7-seitigen Ennstal-Klassik-Geschichte, wovon gute 6 1/2 Seiten einzig und allein Rowan Atkinson beschrieben, erschien in der autorevue 9-04.
Oder zu Jochen Rindt:
„Der war sofort als was besonderes, zumindest als Wahnsinniger erkennbar. Er hatte eine Wohnung am Hitzinger Kai und einen Jaguar E. Mit 270 PS war der Wagen enorm übermotorisiert, ideal für Rindt und dessen Ausfahrten, für die er in Zwickl einen furchtlosen Partner fand. Man kann nicht sagen, er fuhr wie die Sau, er fuhr ärger, mit 180 in der Stadt (nächtens) und 220 im Umland, driftend und räubernd wie ein Irrer." (Autorevue 4&5 2025)
Ich erinnere mich gerne an unsere ersten gemeinsamen Fotostories für die „autorevue". Herbert: „Dani, wir wollen auf keinen Fall Bilder, wie sie alle zeigen. Wir sind immer auf der Suche nach etwas anderem, du kannst bei mir also deiner Kreativität völlig freien Lauf lassen.“
Und tatsächlich, es wurden Bilder abgedruckt, wie sie kein anderes Magazin damals, genauso wie heute abgedruckt hätten.
Herbert Völker wurde mit der autorevue-Ausgabe 6/1967, die von Martin Pfundner erst zwei Jahre vorher gegründet wurde, zum Chefredaktor erkoren. Völker der am 30. September 1943 geboren und am 1. Juni 2025 im Alter von 82 jähren verstorben ist, war damals ein begeisterter Rallye-Fan und stieg ohne jegliche längerfristige Perspektive mit in die Redaktion ein. Dass eine Auto-Zeitschrift zum erfolgreichsten Monatsmagazin Österreichs wurde, die grösste Anzahl an Lesern vermelden konnte, war sicher einzigartig. Da hatte Völkers Riecher nach gepflegten Texten, frechen Themen und andersartigen Fotos sicher sehr viel beigetragen, auch wenn zufälligerweise doch immer wieder über Autos und Rennfahrer berichtet wurde.
Herbert wurde später auch zum Herausgeber des Lifestyle Magazins „Dinersclub“ und seine frühe Vision der Online-Plattform „www.autorevue.at“, die man ihm leider ausredete, hätte es garantiert auch erfolgreich ins digitale Zeitalter geschafft.
P.S. Zu den Bildern:
Oben: Herbert Völker (rechts) mit Beifahrer Hans Geist und dem Fiat 1100 MM am Stoderzinken anlässlich der ersten Ennstal-Klassik 1993
Mitte: Herbert Völker und Helmut Zwickl, zwei Berufskollegen und zwei Freunde. Beide arbeiteten für die „autorevue“ und beide starben innerhalb von nur wenigen Monaten.


























