Dreierlei aus 50 Jahren Dreierreihe
Einer der berühmtesten Drinks in der Kronenhalle Bar in Zürich ist der “Dreierlei”. Das Besondere an diesem alkoholfreien – und damit autofahrerfreundlichen – Cocktail ist, dass er eigentlich aus vier Zutaten besteht. Darum sollen hier auch vier Beobachtungen erörtert werden, die ich anlässlich einer Vergleichsfahrt mit sechs (der sieben) Generationen BMW-Dreierreihe machen konnte, die BMW Schweiz dankenswerterweise zum 50. Geburtstag der wichtigen Produktelinie organisiert hatte.
Einmal mehr extrem aufgefallen ist, wie stark sich die Lenkräder in 50 Jahren verändert haben. Einst rund und relativ dünn, gerne in ein gummiartiges Kunststoffmaterial gehüllt, wurde daraus ein Multifunktionsgerät mit vielen Knöpfen, abgeflachtem Unterteil, vor allem aber extrem dickem Kranz. Eigentlich waren die Lenkräder der E30-/E36-Generationen die ausgewogensten.
Stark angewachsen sind auch die Durchmesser der Räder. Beim BMW 323i reichten 13-Zoll-Stahlfelgen, heute sind wir bereits bei 20 und 21 Zoll grossen Alurädern, während 17 oder 18 Zoll beim modernen Auto schon beinahe schmächtig wirken.
Deutlich härter, man könnte auch straffer sagen, wurden die Sitze, die in der Moderne auch wesentlich mehr Seitenhalt offerieren, gleichzeitig aber natürlich weniger Einstiegskomfort bieten, vor allem wenn Sportsitze montiert sind. Beim 323i der Generation E21 waren noch vergleichsweise nachgiebige Sitzgelegenheiten eingebaut, die sich aber trotzdem auch heute noch gut anfühlen.
Auch bei der Materialanmutung und -wahl ist viel passiert. Seit “Influencer” von nah und fern das “scratchy plastic” vehement kritisieren, müssen Autobauer in der Moderne auf wertigere Kunststoffoberflächen, gesteppte (Kunst-)-Lederüberzüge und ähnliches zurückgreifen, während beim BMW E21 noch einfacher Hartplastik durchaus okay, ja sogar State-of-the-Art war.
Natürlich kann die aktuelle Generation (G20/21 Facelift) fast alles besser als seine Vorgänger. Ein moderner 320d mit 190 PS als beinahe-Einstiegsmodell in die Baureihe lässt das einstige Spitzenmodell 323i der Baureihe E21 deutlich hinter sich, verbraucht kaum die Hälfte und bietet viel Geräuschkomfort und HIFI-Genüsse, von denen Autofahrer einst nur träumen konnten. Allerdings kostet der heutige 320d auch (nicht teuerungsbereinigt) rund viermal soviel wie das einstige Spitzenmodell der ersten Generation. Und natürlich könnte es ein M3 CS Touring noch viel, viel besser, der Preisabstand wäre dann allerdings noch deutlicher.
Doch trotz aller Fortschritte waren sich die verschiedenen “Testfahrer” am Dreier-Anlass von BMW Schweiz eigentlich fast alle einig, dass der 323i der Baureihe E21 jenes Auto war, das sie am meisten überrascht hatte und am meisten urige Fahrfreude vermitteln konnte.
P.S. Natürlich ist es mit diesem “Dreierlei” nicht getan, über einige der besonders interessanten Modelle aus dem Sextett werden wir in den kommenden Wochen noch ausführliche Fahrberichte, angefangen beim M3 GT (E36), veröffentlichen …


























