100 Jahre Chrysler – Das Auto ist älter als die Firma
Walter P. Chrysler (2. April 1875 bis 18. August 1940) entstammte einer Eisenbahnerfamilie. Sein Vater war Ingenieur bei der Pacific Railroad in Kansas. Der Sohn sollte das College absolvieren. Doch Walter liebte die Mechanik und startete mit 17 in der Werkstatt einer Eisenbahngesellschaft als Mechaniker. Er arbeitete sich hoch und wurde bald einmal Werkstattleiter. Mehrere Male wechselte er die Stelle und ergriff bei jeder dieser Gelegenheiten einen Job mit noch etwas mehr Verantwortung. Bald zeigte er sich als geschickter Produktionsspezialist mit einem Flair für Effizienzsteigerungen. Sein Credo lautete: «Übergebe eine anspruchsvolle Aufgabe einem faulen Verantwortlichen, er wird Wege und Mittel finden, den von ihm verlangten Job mit weniger Aufwand zu meistern!»
Bereits 1908 hatte sich Walter P. ein Auto gekauft, ein Locomobile, allerdings sollte das 5000 $ kosten, Chrysler hatte damals gerade einmal 700 $ auf seinem Konto. Er war indessen von der Idee eines eigenen Wagens derart eingenommen, dass er sich 4300 $ auslieh und sich das Auto kaufte. Danach soll er, der noch nie Auto gefahren war, dieses zerlegt haben um zu begreifen, wie es funktioniert.
Charles Nash, damals Chef von General Motors, hat Chrysler, als dieser 36 war, dazu überredet, bei General Motors als Direktor von Buick zu arbeiten. Dies zum halben Lohn wie bis anhin in seinem Job für die American Locomotive Company in Pittsburgh. Dort hatte er fürstliche 12'000 $ im Jahr verdient. Chrysler schlug dennoch ein. Als William Durant nach seinem zeitweiligen Rausschmiss aus seiner eigenen Firma bei GM ab 1915 wieder das Ruder in die Hand nehmen konnte – der Erfolg mit Chevrolet erlaubte es ihm, seine alte Firma zurück zu kaufen – kam es zwischen den beiden starken Charakteren zu unterschiedlichen Auffassungen, wie das Geschäft zu führen sei. Chrysler verliess GM, nicht im Unfrieden, denn Durant und Walter P. blieben zeitlebens miteinander befreundet. Kurz darauf war Walter P. Chrysler gleich bei zwei Herstellern im Geschäft: Bei Willys Overland und bei der Maxwell Motor Company. Noch 1923 liess Chrysler ein Auto für die angeschlagene Firma Maxwell konstruieren, das als Chrysler Six angekündigt wurde. Statt innerhalb der New York Motorshow liess Walter P. das neue Auto am 5. Januar 1924 in der Lobby des Commodore Hotel ausstellen (Siehe die Postkarte zu diesem Ereignis), dies nicht ohne die sich ohnehin in der Stadt befindlichen Fach-Pressevertreter informiert zu haben. Diese vorzeitige Lancierung sicherte Walter P. die Finanzierung seines «Six», später auch als Chrysler 70 bekannten Autos, eines der ersten Serienwagen überhaupt mit hydraulischen Vierradbremsen.
Die Firma aber, die Chrysler Corporation, die wurde erst am 6. Juni 1925, also gestern vor 100 Jahren, aus der Maxwell Motor Company heraus gegründet. 100 Jahre, das ist definitiv ein Grund zu Feiern! Wir werden darauf noch zurückkommen.


























