Lastenträger
Sie versprühen Abenteuer, verleihen selbst Sportwagen – wie dem Ferrari 212 Inter Europa Berlinetta (1953) an der Mille Miglia 2022 – einen gewissen Nutzwert und bieten sogar eine Art von Sicherheit. Nein, weder eine aktive noch eine passive, sondern die Sicherheit, dass der Einkauf bei Ikea oder bei Obi nicht vor Ort zurückgelassen werden muss: Dachträger. Schon als Kind liebte ich sie, diese Zusatzgestelle auf den Dächern der Autos. Oft versprach das Montieren eines Trägers durch den Vater ein kommendes Abenteuer: Es gab neue Möbel, oder Ski-, respektive Zeltferien erwarteten uns – oder ähnliches.
Früher meist nicht zum Spass: Der neue Träger auf dem Käfer verriet manchmal den nahenden Nachwuchs der Besitzer
Doch auch viele Handwerker hatte einen Dachträger, selbst am Granada-Kombi, etwa für die Leiter. Und beim VW Käfer war der frisch montierte Dachträger oft ein untrügliches Indiz dafür, dass beim jungen Besitzerpaar der Nachwuchs im Anmarsch war. Denn wo sonst als auf dem Dach hätte man beim VW den Kinderwagen unterbringen sollen, oder zumindest dessen Untergestell? Und wenn das Geld nicht reichte für ein Upgrade zu einem richtigen Familienauto, dann musste eben ein Träger reichen. In meinem Fall, so wurde mir aus erster Hand von meinem Vater mitgeteilt, war es nach dem Käfer mit Träger (für den Kinderwagen meiner Schwester) dann aber ein Simca 1100 Break, ohne Dachträger.
Meine älteste Erinnerung an einen Dachträger: Autobianchi Primula von Mebetoys
Auf den Spielzeugautos meiner Kindheit waren die Dachträger meist bei Rallyefahrzeugen zu finden. Ich erinnere mich etwa an einen Autobianchi Primula mit Träger und Ölfässern auf dem Dach. Ich glaube, der war von Mebetoys. Auch der kleine Fiat 1500 von Matchbox hatte einen Dachträger, einen direkt im Guss integrierten. Und selbst beim ersten Playmobil-Auto von 1977 lag serienmässig einer mit dabei. Darauf liess sich die Schatzkiste vom Piratenschiff von den Räubern retten.
DIE Sensation in meinem Kinderzimmer 1977: Playmobilauto mit Dachträger!
Dachträger faszinieren mich noch immer. Zwar habe ich noch nie einen gekauft, aber schon mehrere gefunden – ja, tatsächlich auch am Strassenrand zum Mitnehmen; wohl ein Schweizer Phänomen im Lande der Abfall-Gebührenmarken – oder als Beigaben zu Autos mitbekommen. Am spektakulärsten war sicher jene "Galerie", die es mit einem Citroën DSuper (mit 5-Gang-Getriebe, aber keinen DSuper 5 – das erkläre ich ein Andermal) dazu gegeben hat. Eine Firma aus Biel (BE) hatte in den 1960er- und 1970er-Jahren stromlinienförmige Aluminium-Träger fabriziert, die sich auf dem Auto ohne Dachrinnen mit seitlichen Haltebügeln montieren liessen. Das sah schon sehr sexy aus. Das Auto übrigens war ein Geschenk des ehemaligen Zirkusdirektors Dominik Gasser Senior vom Circus Gasser Olympia. Leider war dieser DSuper nur noch als Teileträger zu gebrauchen.
Im Gegensatz zur Limousine war beim ID Break die Dachgalerie serienmässig
Ein weiterer Dachträger liegt noch in meiner Werkstatt herum. Diesen habe ich einst als passend für einen VW Transporter auf einer Auktionsplattform erworben. Beim Abholen stellte sich heraus, dass er unmöglich auf den Bus passen kann. Da ein originales AMAG-Zubehör – das Logo ist auf den Verschlüssen sogar eingeprägt – , ist er wohl für den Passat Variant B1. Bezahlen musste ich nichts, mitnehmen durfte ich das Ding trotzdem. Es wäre noch bei mir abzuholen...
Auch er darf gelegentlich einen Träger tragen
Ja, selbst ein Jaguar bleibt bei Bedarf nicht vom Tragen eines Trägers verschont. Vielleicht würde ich darauf nicht auch noch ein Dachzelt montieren – dafür scheint mir der Pavillon des XJ12 zu filigran –, aber zum Camping für die Kühlbox und das Mobiliar oder zum Transport eines Zeltpavillons an ein Autotreffen dient das Ding doch wunderbar.

























