Als General Motors mit dem Chevrolet CERV II fast den ultimativen Sportwagen schuf

Erstellt am 30. Oktober 2013
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Michael Furman - Courtesy RM Auctions 
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Chevrolet CERV I 1960 - Zora Arkus-Duntov mit dem Experimentalfahrzeug mit Mittelmotor und rund 355 SAE-PS
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Bild von Partner Württembergische

Er erinnert den Betrachter an Matchbox- und Hot-Wheel-Spielzeugautos mit seiner weiss-blauen Karosserie und den steil aufsteigenden acht Auspuffenden. Aber der Chevrolet CERV II von 1964 war kein Spielzeug und wären Zora Arkus-Duntovs Pläne weiter gediehen, würde die Le-Mans-Geschichte heute vielleicht völlig anders lauten.

Bild Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York

Chevrolet Engineering Reserach Vehicles

Bereits in den Fünfzigerjahren begann Zora Arkus-Duntov an Experimental-Fahrzeugen zu bauen. Diese wurden “CERV” genannt, was für “Chevrolet Engineering Research Vehicle” stand. Im November 1960 wurde das erste Ergebnis der Arbeiten auf der Riverside Rennstrecke präsentiert und überraschenderweise handelte es sich bei diesem Fahrzeug um einen Monoposto mit freistehenden Rädern.

Stufe 1 als Monoposto

Bild Chevrolet CERV I 1960 - Zora Arkus-Duntov mit dem Experimentalfahrzeug mit Mittelmotor und rund 355 SAE-PS
Chevrolet CERV I 1960 - Zora Arkus-Duntov mit dem Experimentalfahrzeug mit Mittelmotor und rund 355 SAE-PS

Betont wurde bei der Präsentation, dass es beim rennwagenähnlichen Fahrzeug CERV I einzig um das Studium und die systematische Erforschung der Fahreigenschaften gehe. Mit Mittelmotor und Einzelradaufhängungen rundum nahm der Einsitzer aber viele Sport- und Rennwagentrends vorweg. Die Erkenntnisse aus den Fahrwerksarbeiten flossen in die zukünftigen Corvette-Generationen ein.

Interessant war aber auch der Motor des CERV I, denn dieser bot eine für damalige Begriffe sensationelle Leistungsfähigkeit bei tiefem Gewicht. 355 SAE-PS leistete der 4’637 cm3 grosse Motor, der gerade einmal 159 kg schwer war. Die Gewichtserleichterung hatte man durch den umfangreichen Einsatz von Leichtmetallen erreicht. So waren Block und Zylindekopf aus Aluminium und auch Wasserpumpen-/Anlassergehäuse, Schwungrad und Kupplungsdruckplatte bestanden aus Leichtmetall. Auch beim Wasserkühler griff man auf Aluminium zurück. Für die Gemischaufbereitung griff man auf das Treibstoff-Einspritzsystem zurück, wie es auch bei den Hochleistungsmotoren der Corvette zum Einsatz kam.

Das gesamte fahrbereite Fahrzeug kam auf 725 kg Gesamtgewicht, dies nicht zuletzt dank eines leichtgewichtigen Rohrrahmens und einer Kunststoffaussenhaut. Auch bei den (Trommel-) Bremsen liess man sich eine Besonderheit einfallen, wie die Automobil Revue im Jahr 1961 schrieb: “In Anpassung an die Gepflogenheiten des jeweiligen Testfahrers, die Fussbremse mit dem linken oder dem rechten Fusse zu betätigen, besitzt der CERV I zwei Pedale, die sich links der Kupplung, bzw. rechts der Lenksäule befinden.”

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Stufe 2 mit Allrad

Hatte man mit dem CERV I bezüglich Motorentechnik und Aufhängungen gezeigt, was möglich war, so wollte Arkus-Duntov beim “Nachfolger” CERV II einen ernsthaften Konkurrenten für Sportwagenrennen entwickeln. Er wollte sowohl bei Sprint- als auch Langstreckenrennen an der Spitze mitfahren und dachte an eine kleine Serie von sechs Exemplaren. Um das Problem der oftmals fehlenden Traktion bei leichtgewichtigen Sportwagen zu lösen, entwickelte er einen Allradantrieb.

Bild Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York

Duntov hatte den Vierradantrieb schon eine Zeit lang studiert. Er hatte beobachtet, wie der fast unfahrbare Bugatti T53 Allrad-Rennwagen seine Fahrer fast zum Wahnsinn trieb und brütete darüber nach, wie man die Verteilung der Kraft unter Kontrolle kriegen konnte.

Duntovs Team bestand aus den selben Leuten, die auch bereits den CERV I gebaut hatten, darunter Walt Zetye, Ernie Lumus, Bob Kethmann sowie die Designer Larry Shinoda und Tony Lapine. Er strebte einen Sportwagen an, der weniger als 650 kg schwer sein sollte, was mit dem CERV-I-Motor zusammen mit Allradantrieb für spektakuläre Fahrleistungen sorgen musste. Als “Benchmark” hatte sich Duntov zeitgenössische Ferrari-Sportwagen ausgesucht, die es zu schlagen galt.

Dynamischer Vierradantrieb

Statt der Achsen starr oder via ein Differential zu verbinden setzte Duntov beim CERV II auf die dynamische Verteilung der Antriebsmomente. Dies schaffte er, indem er hinten und vorne ein Zweiganggetriebe positionierte, die über einen Powerglide Drehmoment-Wandler verbunden wurden.

Man experimentierte mit unterschiedlichen Kraftverteilungsverhältnissen, 35-40% auf die Vorderachse zu leiten, erwies sich als am besten.

Der verbesserte CERV-I-Motor war inzwischen, man schrieb das Jahr 1963, für 500 PS gut und das leichtgewichtige Coupé - man hatte die angepeilten 635 kg trotz Einsatz von Titanium und Leichtmetallen knapp verpasst - soll auf der Rennstrecke mit rund 341 km/h gemessen worden sein.

In der damaligen Presse wurde die Beschleunigungszeit für den Sprint von 0 bis 60 Meilen pro Stunde (ca. 96 km/h) mit 2,8 Sekunden verkündet, was durchaus in Bereich der Leistungsfähigkeit heutiger Hypersportwagen des Schlags Bugatti Veyron liegt.

Keine Renneinsätze möglich

Die Technik war vielversprechend, doch General Motors hatte jeglichen Rennsportplänen entsagt. Duntov bat, den einzigen Prototyp wenigstens bei Demonstrationen zeigen zu dürfen, doch dafür gab es nicht allzu viele Gelegenheiten. So setzte man das schnelle Einzelstück halt für Testfahrten ein, um zukunftsweisende Ideen im Rahmen der Corvette-Entwicklung zu überprüfen. In den Jahren 1964, 1968, 1969 und 1970 kam CERV II mehrmals zum Einsatz, meist mit Testfahrer Bob Clift am Lenkrad. Dabei soll der Wagen auf dem “Skid-Pad” mit einer Querbeschleunigung von 1,19 G gemessen worden sein, auch dies ein beeindruckender Wert.

Bild Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York
Chevrolet CERV II (1964) - angeboten als Lot 139 an der RM Auction "Art of the Automobile" am 21. November 2013 in New York

Um 1969 soll CERV II dann den ZL1-V8-Motor mit fast sieben Liter Hubraum erhalten haben, der rund 700 PS leistete. Duntov wollte damit Mark Donohue’s 356 km/h übertreffen, die jener auf einer Rundstrecke erreicht hatte. Mit diesem Motor war der CERV-II-Prototyp rund 840 kg schwer.

Eingelagert und ausgestellt

Im Jahr 1970 wurde der offene Prototyp, eine Coupé-Version wurde nie gebaut, dann eingelagert. Einige Jahre später verschenkte ihn General Motors an das Briggs Cunningham Museum. Dort wurde er einige Jahre lang ausgestellt und sogar von Zeit zu Zeit gefahren.

1986 übernahm Miles Collier den Wagen. Er verkaufte ihn schliesslich an John Moores weiter, der den Protoypen einem Forschungsinstitut im Bereich der Medizin spendete. 2001 wechselte CERV II zum letzten Mal den Besitzer, am 21. November 2013 wird er an der Versteigerung von RM Auctions und Sotheby’s in New York unter den Hammer kommen, vollständig und wie RM schreibt im Prinzip sogar fahrbar.

USD 1,4 bis 1,8 Millionen beträgt der Schätzpreis für diesen einmaligen Prototyp, der interessanterweise gleichzeitig mit einem Bugatti Veyron aus dem Jahr 2011 versteigert wird, den man technisch als einen Nachfolger mancher Innovation des CERV-II sehen könnte. 

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