Als Schweizermeister noch rechnen konnten!
Der Glarner Unternehmer Harry Zweifel war während seiner 20jährigen Karriere von 1947 - 1967 als Motorrad- und Automobilrennfahrer zu 283 Rennen gestartet. 31 absolute Streckenrekorde, 43 Tagesbestzeiten, 75 Kategorien- und 128 Klassensiege! Trotz dieser ausserordentlichen Menge von Siegen und Rekorden zählte Harry Zweifel nur vier Rennen zu seinen grössten Erfolgen. Einer war sein Titel als Schweizer-Rennwagenmeister anno 1960. Doch lassen wir Harry Zweifel selber erzählen:
„Alle rüsteten gegen mich auf, um dem Glarner endlich einmal den Meister zu zeigen. Dabei musste ich nicht nur die Leute aus der Rennwagenklasse im Auge behalten, auch die Sportwagenfahrer konnten mir die Suppe versalzen. Das damalige Reglement bestrafte auch jene Rennwagen mit Verlustpunkten, die von schnelleren hubraumgleichen oder sogar schwächeren Renn- oder Sportwagen geschlagen wurden. War die Strasse bei den Sportwagen trocken und setzte bei den Formeln Regen ein, war die Gefahr, Strafpunkte zu kassieren, besonders gross.“
Grösster Gegner Zweifels war 1960 Walter Habegger auf Lotus Cosworth. Die Ausgangslage am letzten Rennen am Marchairuz präsentierte sich folgendermassen: Habegger besass bereits drei gültige Maximalpunktzahlen - sogenannte „Hunderter“ - Zweifel nur deren zwei. Somit musste er bei den Rennwagen siegen, um mit Habegger gleichzuziehen. Bei Punktegleichheit hätten die Erfolge im Ausland zum Titelgewinn beigetragen und da konnte Habegger nichts Ebenbürtiges anbieten. Um die Spannung zu erhöhen, begann der sonst zuverlässige Ferrari-Motor zu kränkeln. So erhöhte sich die Gefahr, von Heini Walter auf dem 1,5-Liter-Porsche-Spider bestraft zu werden. Um dies zu verhindern, montierte sein Mechaniker Sepp Zuber – Motorrad-Klausensieger 1932 auf Condor – den hubraumschwächeren 1,5-Liter-Climax-Motor ins Cooper-Fahrgestell.
Gefahr drohte damit nur noch von den Rennwagenfahrern Charles Vögele und Walter Habegger. Nach dem ersten Lauf war Zweifel deutlich langsamer als Vögele auf Lola und deshalb am Rande der Niederlage. Habegger stand kurz vor dem Erben und Sportwagenfahrer Heini Walter erzielte eine fabelhafte Bestzeit. Doch dann biss Zweifel im zweiten Lauf auf die Zähne und verbesserte seine Zeit um 2,3 Sekunden. Vögele und Habegger konnten nicht mehr zusetzen; sie verschlechterten sich sogar um wenige Zehntel.
Zum vierten Mal hintereinander wurde Harry Zweifel nach diesem “Rechenschieberrennen” Rennwagenmeister und die Leser der Automobil Revue wählten ihn zum „beliebtesten Autorennsportler der Schweiz“.
Das Bild zeigt den Glarner Harry Zweifel beim Bergrennen Mitholz-Kandersteg im Jahre 1960 auf seinem Cooper-Ferrari (Cooper-Chassis mit Ferrari-Motor).
Anmerkung: Neben guten Material, fahrerischen Können und Mut mussten sich die damaligen Rennfahrer auch mit dem Rechenschieber auskennen, um das „Bonus-Malus-System“ eines von automobilen Bürokraten ausgeheckten Reglements zu überlisten!
































