Breiter und selten
Die bekannteren Tuner und Veredler des Baby-Benz (Mercedes-Benz 190E) hiessen AMG, Brabus, Styling Garage oder auch Kamei, aber es gab auch extremere Anbieter. Einer von ihnen war Schulz & Getzke.
Die Zeitschrift “auto motor und sport” erwähnte den Anbieter im Jahr 1986:
“Er kommt aus einem Ort namens Quadrath-Ichendorf, der breiteste von allen breiten Mercedes 190. Mit 20 Zentimetern Zuwachs macht die Annäherung ans quadratische Format hier erfreuliche Fortschritte. Die um solche Breitenwirkung bemühte Firma Schulz & Getzke bietet damit allen jenen, die sich in die schillernde Mehrheit der Individualisten einreihen wollen, die Gelegenheit, einen Mercedes 190 zum Preis von zweien zu erwerben. Denn soviel wie das Basisauto kostet der Umbau schon ohne jede Behandlung der inneren Organe. Der TÜV übrigens machte gute Miene zum breiten Spiel. Er segnete die Operation einschließlich aller Schweller und Schwellungen ab. Selbst das Walzwerk auf der Hinterachse - Reifen der Dimension 345/35 VR 15 - ist ganz und gar legal.”
Schulz & Getzke beschränkten sich nicht nur auf Mercedes-Benz, man konnte auch einen Porsche 911 verbreitern lassen, das kostete dann als Umbau DM 31'000 oder DM 9500 als reiner Umbausatz für den Selbermacher.
Gemäss Broad Arrow Auctions, welche den abgebildeten Mercedes-Benz 190 E von 1984 im Rahmen der Online-Versteigerung der “Patina Collective” (10. bis 21. August 2026) anbieten, sollen nur vier dieser Umbauten realisiert worden sein in den Achtzigerjahren. Zum Grundpreis von rund DM 30'000 für das neue Basisauto kamen damals also etwa nochmals gleichviel für den Umbau (Das Umbaukit alleine wurde für DM 9995 angeboten) zusammen. Allerdings zeigt der Wagen heute auch ein deutlich edleres Interieur mit Momo-Holzlenkrad, unter der Haube aber den unveränderten Motor mit Vierganggetriebe.
Aussen fallen die 15-Zoll-BBS-Räder, der Heckspoiler und der Kühlergrill im SEC-Stil auf.
Die Spezialisten haben den auffälligen 190E – ob wohl überhaupt ein zweites Exemplar überlebt hat? – auf USD 45'000 bis 55'000 geschätzt, ein Mindestpreis ist allerdings nicht gefordert.
Im Rahmen der Patina-Collective-Online-Versteigerung kommen 40 meist umfangreich veredelte und besondere Mercedes-Benz der Siebziger- bis Nullerjahre für fast ausschliesslich fünfstellige Summen unter den Hammer. Mehrere W201, darunter auch ein hübsches Schulz-Cabriolet, W124 und R/C-107 sind dabei, aber auch eine Heckflosse von 1968 (230 S) als Spezialität. Die Autos sind offenbar längere Zeit gestanden, entsprechend empfiehlt Broad Arrow Auctions eine behutsame Wiederinbetriebnahme.
Für Freunde der deutschen Tuning-Exzesse der Achtziger- und Neunzigerjahre jedenfalls dürfte diese Versteigerung ein Eldorado sein.




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