Meine Monterey Car Week 2026
Bei der Ankunft liegt bereits Benzin in der Luft
Da bin ich also nun in Monterey, ohne wirklich zu wissen, was mich erwartet. Für mich ist Pebble Beach ein lang gehegter Traum, einmal die Concours-Weltelite zu sehen. Im Vorfeld noch Tickets für Laguna Seca gekauft, für die Rolex Reunion, schliesslich sind dort unter anderem 30 Can-Am-Racer am Start.
Lola T222 aus der CanAM Serie 1971
Eines vorweg: Ich bin sprachlos. Wer mich kennt, der weiss, das braucht viel – aber was ich als Concours-Veranstaltung wahrgenommen habe, ist mehr, viel mehr. Überall liegt Benzin in der Luft, ja, das ist – darf man dies in dem Kontext überhaupt so beschreiben? – elektrisierend, wenn auch nicht so, wie sonst üblich in Kalifornien.
Japan-Special mit den irrsten Langstrecken-Rennwagen aller Zeiten
Ob Hypercar oder Oldtimer, an jeder Ecke stehen die schönsten Fahrzeuge, die es auf der Welt gibt. Ich habe schon einiges sehen dürfen, aber das ist schlicht unglaublich.
Laguna Seca: Icons of the Track
In Laguna Seca geht es dann genauso weiter: Das Qualifying für die Rennen am Wochenende steht an. Das ist Musik für die Ohren, es ballert und dröhnt auf der Strecke, und das Fahrerlager ist voller Renngeschichte(n). "Icons of the Track" steht da gross im Hintergrund auf einer Werbetafel eines namhaften Autoherstellers aus Stuttgart. Das ist in der Tat so und gilt für alle hier vertretenen Marken. Japan Special steht auf dem Rolex-Programm: Heritage of Japanese Motorsport mit dem infernalischen Wankel-Mazda 787B oder einem historischen BRE-Datsun und vielen mehr. Ganz nach dem Motto "never last, always fast" wird hier kein Material geschont!
Watson Indy Racer von 1967 in Laguna Seca
Abends in Monterey: auf der Bühne der Influencer
Am Abend auf den Strassen von Monterey beschleicht einem das dumpfe Gefühl, dass hier alles irgendwie etwas ausser Kontrolle geraten ist. Überall werden die Handys gezückt oder sie sind – quasi auf der gegenüberliegenden Seite dieses, im wahrsten Sinne des Wortes, shoot-outs – an den vorbeifahrenden Fahrzeugen montiert. Es scheint, als sei hier wirklich jede und jeder ein Influencer, entsprechend wird geknipst für die vielen Klicks auf Social Media – gekämpft, geposed und – geschwitzt. Deshalb wirkt hier alles sehr inszeniert und fürchterlich oberflächlich. Kein Wunder, für Tiefgang bleibt keine Zeit, ein Highlight jagt das nächste. Immerhin bleibt eine erfreuliche Feststellung aus dem Ganzen zurück; Wenn jemand behauptet, die Jungen interessierten sich nicht für Autos, der hat es nicht verstanden.
Die Be-Influenzung von Hypersportwagen geschieht mittlerweile gegenseitig!
Aber richtig, vielleicht sind millionenteure Hypercars einfach nicht der ideale Einstieg in die Automobilwelt. Und jene, die welche besitzen, haben anscheinend nur ein Ziel: das seltene Hypercar so individuell wie möglich zu gestalten. Auffallen um jeden Preis lautet die Devise. Und die Besitzer hoffen damit, möglichst viele Bilder ihrer selbst und von ihren Autos im Netz – aus Insta, TikTok, X und was auch immer – zu finden, am liebsten natürlich bei den grossen Car-Spottern dieser Welt. So nobilitiert sich die Szene quasi gegenseitig – man darf sagen: eine prächtige Win-Win-Situation! Die Spotter kennen dabei jede Bezeichnung der ohnehin schon streng limitierten Autos auswendig, inklusive der Umbauten, in vielen Fällen auch die der Besitzer. Und die Besitzer kennen manch einen Spotter, der sie da am Strassenrand erfasst. Wenn unsereiner noch stolz auf die Geschichte seines Oldtimers blickt oder dessen Topzustand für ein Staunen beziehungsweise für erhöhte Aufmerksamkeit sorgt, so ist es heute die Individualität und der Preis, der möglichst viele Klicks bringen soll. Es ist somit ein Kontrastprogramm zu dem, was am Sonntag in Pebble Beach bewertet beziehungsweise bewahrt wird. Da kommt mir eine Idee: Was würde wohl passieren, wenn kurzerhand die Judges und die Influencer die Plätze tauschen würden? Und diese statt auf dem Golfplatz am Strassenrand stünden, statt Historie und Zustand individuelle Hypercar-Umbauten bewerteten?
Was wäre, wenn statt gestandene Judges junge Influenzer die Wagen auf dem Golfplatz bewerten würden?
Auktionstage im Sekundentakt
Der Donnerstag ist unter vielem anderen auch ein wichtiger Auktionstag, über 200 Fahrzeuge sollen unter den Hammer kommen – allein heute! Gefühlt im Sekundentakt werden die Autos durch das Zelt geschoben. Manche Preise, die da aufgerufen werden, lassen mich nur staunen. Die Stimmung ist gut, und es wird ordentlich geboten. Aber ich würde nicht sagen, dass ein deutliches Muster erkennbar ist, ausser vielleicht bei den Ferraris: Da scheint das Motto der Verkäufer zu sein: „wir können es ja mal versuchen!“ Es werden teilweise absurd hohe Preise aufgerufen. Was auffällt: Was keiner will, kriegt auch der Auktionator selbst mit tiefsten Preisen nicht vom Platz, es bleibt stehen. Bin gespannt auf die Ergebnisse am Samstag.
Ja der Samstag, was dieser dann an Auktionsergebnissen hervorgebracht hat, lässt mich verblüfft zurück, es ist einfach nur staunen, einmal mehr diese Woche, wow.
Autos in Serie mit dem Auktionshammer "wegschlagen" und Zustände wie auf dem Rummelplatz bei Mecum
Während es zum Beispiel bei Mecum wie auf dem Rummelplatz zu und her geht, bemühen sich andere um etwas Noblesse. So zumindest mein Resümee nach einem langen und intensiven Auktions-Tag. Aber eben: die Ergebnisse wirken da letztlich überall gleich, in vielen Fällen fast surreal – für mich ganz bestimmt!
Für über 42 Millionen Dollar verkauft: Der Shelby Daytona Coupé von 1964 – Wahnsinn!
Sonntag in Pebble Beach: das finale Gesamtkunstwerk
The Show is over. Bewusst wird mir das erst richtig am Abend im Hotelzimmer – was war das heute für ein Sonntag! Man hatte mich ja vorgewarnt, dass der Concours in Pebble Beach ein unglaubliches Erlebnis sei und einen magisch in seinen Bann zieht. Das war kein Wort zuviel.
Eher Kunst als Auto: Der Phantom Corsair von Rust Heinz von 1937 – Das Auto ist ein Mythos, es in Blech und Lack zu sehen fast surreal.
Es sind nicht allein die Fahrzeuge – und ich werde mich hüten, diese zu bewerten –, sondern das Gesamtkunstwerk. Der Mythos, die Location, die Leute. Alles lässt einen ehrfürchtig werden und dankbar sein, dabei sein zu dürfen. Was für mich ein absolutes Highlight war, ist, wie offen und herzlich es zugeht; man fühlt sich jederzeit willkommen und als Teil der Veranstaltung. So ist am Ende nicht alles nur Show, sondern da steckt von vielen Einzelnen Protagonisten dieser Veranstaltung extrem viel Herzblut und sicherlich auch Geld mit drin, welches in eine solche Veranstaltung investiert wird.
In Pebble Beach auch einen Bekannten getroffen: Christian Jenny mit seinem Hansgen Special
Ohne diese Sammler, Spinner und Enthusiasten würde es keine solche Veranstaltung geben. Neid ist hier ein Fremdwort, und so wird – wie die ganze Woche schon – gerne gezeigt, was Mann oder Frau besitzen. Es werden die Geschichten rund um die exklusiven Fahrzeuge zum Besten gegeben, Champagner getrunken und alles andere für einen Tag beziehungsweise eine Woche ausgeblendet.
Exklusiv und trotzdem offen für alle
Apropos exklusiv: Es wird die ganze Woche rund um die Monterey Car Week extrem viel kostenloses Programm angeboten, sodass jeder live dabei sein kann. Es ist eben nicht nur exklusiv, sondern offen für alle mit Benzin im Blut, und das ist gut so. So ist es nicht nur am Concours schön zu sehen, wie sich hier Alt wie Jung einmal pro Jahr ihre Träume erfüllen. Aus diesem und vielen anderen Gründen ist zu hoffen, dass diese traditionsreiche Veranstaltung für weitere 75 Jahre und darüber hinaus bestehen bleiben wird.
Meine Erwartungen an Pebble Beach haben sich gänzlich erfüllt und wurden übertroffen!
Ja, Träume… Manchmal ist Dabeisein schon ein riesengrosser erfüllter Traum und gibt einem das Gefühl, ein Teil von etwas grossem gewesen zu sein. So lasse ich im Hotelzimmer, mit einem Dosenbier in der Hand, lächelnd die letzten Tage an mir vorüberziehen und freue mich auf das nächste Event. In diesem Sinne sage ich: „bis bald in Monterey again!“ oder wo immer Benzin in der Luft liegt.
Michael Bietenholz ist selber Jurymitglied an verschiedenen internationalen Concours d'Elegance, Oldtimer-Sachverständiger, Mitglied des Vorstands der Schweizerischen Dachverbands SHVF (Swiss Historic Vehicle Federation) und vielseitig in der Oldtimer-Szene Involviert. Unser Bericht zum Pebble Beach Concours d'Elegance 2026 finden Sie HIER


























