Kurze Mitteilungen mit grosser Wirkung
Es surrt und es macht Geräusche. Gemeint ist nicht ein Motor, sondern das Mobiltelefon, wenn es eine Mitteilung empfangen hat. Die Meldungen erfolgen kurz, der Inhalt kann derweil in der Tiefe und seiner Bedeutung variieren.
Eine wichtige solche Meldung habe ich seit Monaten von meinem Motorenbauer erwartet. Nach unserem Besuch diesen Frühling bei Franz Durrer in Neuheim ist es mir doch etwas gar lange zu ruhig geblieben. Besonders die Kurbelwelle verlangte noch nach etwas Arbeit, so die eingelaufenen und zum Teil korrodierten Lagerflächen wie auf dem Bild oben beim Hauptlager am Kurbelwellenende.
Erstmal soll die Kurbelwelle zentriert sein, dafür sorgt diese Schleifmaschine die das kleine, kegelförmige Loch am Wellenende perfekt zentriert ausschleift. Nur so sind Hauplager und Hubzapfen am Ende rund statt oval.
„Da muss alles stimmen, der Kopf muss bei der Sache sein, kein Stress soll mich treiben und überhaupt, was gut gelingen soll braucht die richtigen Umstände“, meinte der Fachmann. Dafür habe ich volles Verständnis, denn in der Tat hätte man ein misslungenes Pleuel nochmals anfertigen können, genauso ein Lager. Bei der Kurbelwelle aber haben wir nur diese eine, originale. Sicher, selbst solch ein Teil liesse sich heute wohl nachfertigen, allerdings mit einem entsprechenden Preisschild. Also war ich froh, lieber eine ehrliche Antwort zu erhalten, als einen unehrlichen Fertigstellungstermin oder gar die Antwort, dass die Welle über den Jordan gegangen sei. Doch in meinen Ferien hat nun das Telefon gesurrt und meine Inbox hat verraten, dass ein ganzer Stapel Fotos eingegangen sei, zusammen mit einer kurzen Mitteilung: "Sie ist geschliffen, die Kurbelwelle!"
Die "Prince Engineers Ltd." bei der Arbeit. Die Maschine mit der mitschwenkenden Schleifscheibe ist Kult bei den Motorenbauern. Am rechten Bildende ist der Dorn zu sehen, der die Welle zentriert, am hinteren Ende lässt sich der Rundlauf mit einem weiteren Dorn in einem Futter nachkorrigieren.
Nun kommt das eindrückliche Stück meines 4.8-Liter-Sechszylinders aus dem Graham-Paige wieder daher wie neu. Da glänzen die Lagerflächen – glatt wie das vielzitierte Kinderpopo. Nun wird die Welle auch noch frisch gewuchtet.
Danach geht es an den Zusammenbau des Motors, den ich zusammen mit einem Kollegen kurz vor Weihnachten 2024 ausgebaut hatte. Mit etwas Optimismus rechne ich nun damit, dass wir den Motoren-Wiedereinbau, die Einstellarbeiten und das anschliessende, sorgfältige Einfahren bis November erledigt haben könnten.
Da glänzen sie wieder, die sieben Haupt- und sechs Pleuellagerflächen der Kurbelwelle.
Damit wäre der Graham-Paige dann nach seiner Stilllegung 1955, nach seiner Wiederentdeckung 2006, der Neuzulassung am 17. November 2023, nun im Herbst 2026 wieder voll und ganz fahrtüchtig und verkehrstauglich. Zwar ist dann die Oldtimersaison nahezu vorbei, aber bei den Hitzetagen diesen Sommer wäre es sowieso fraglich gewesen, mit wieviel Freude ich mich diesen thermischen Herausforderungen für Mensch und Maschine gestellt hätte.
Graham-Paige 619 von 1929. Noch in diesem Herbst soll die Motorrevision abgeschlossen sein.


























