Dem Ingenieur ...
… ist nichts zu schwör, lautet der Wahlspruch von Daniel Düsentrieb. Was für sich genommen nicht falsch ist, solange Zeit und Geld vorhanden sind. Damit können Ingenieure Grenzen sprengen, wie Mercedes-Ingenieure vor 50 Jahren bewiesen: 1976 feierte ein Fünfzylinder-Turbodiesel im C 111-II D ein Weltrekord-Triple auf dem Hochgeschwindigkeitskurs von Nardò: 10'000 Kilometer mit 252 km/h im Schnitt.
Stolze 40 Jahre zuvor hatten die Daimler-Jungs mit dem 260 D (W 138) bereits den ersten serienmässigen Diesel-Pkw vorgestellt – wenig später zog Hanomag mit einem Rekord-Diesel nach. Das hätte sich der Erfinder, Rudolf Diesel, vermutlich nie vorstellen können.
Tragischer Start für den Selbstzünder, der 1894 zum ersten Mal lief: Der Erfinder ging auf der Überfahrt nach England unter ungeklärten Umständen über Bord und wurde später tot gesichtet … aber nie geborgen. Trotzdem machte der Diesel Karriere, vor allem in Schiffen, Lokomotiven und schweren Nutzfahrzeugen.
In Personenwagen war der "Stinker" lange verpönt, vor allem im Autoland Amerika. Doch als infolge der Ölkrise sparsamere Autos gewünscht waren, gaben die Ingenieure richtig Gas. Mit dem Turbodiesel brachten die Techniker die lahmen Sauger in Fahrt und machten sie damit beliebt – mit der Direkteinspritzung wurden die Diesel zu Drehmomentmonstern.
Doch das war der Anfang vom Ende, denn die schnelle Verbreitung des Diesels führte genauso schnell zu seinem Verruf. Erst war er zu dreckig, zum Schluss zu giftig. Der Partikelfilter musste gegen das Feinstaub-Problem her, danach folgte die teure Harnstofflösung gegen Stickoxide. Alles machbar für die Techniker, aber der Diesel wurde immer teurer.
Die schlechte Luftqualität ist heute kein Reizthema mehr, Fahrverbote sind weitgehend passé. Genützt hat es dem Selbstzünder trotzdem nichts: Der Auto-Diesel ist quasi tot. Hybride sind gefragt, und die Kombination aus Benziner und E-Motor gilt aktuell als bester Kompromiss aus Verbrauch, Leistung und Sauberkeit. Dem Diesel bleibt nur die alte Spielwiese in Lastwagen und Schiffen. Tragisch für die Kunst der Ingenieure.


























