Der passende Kilometerstand
Beim Durchblättern von Inseraten, aber auch bei der Betrachtung eines Klassikers an einem Treffen oder bei einem Händler gehört der Blick auf den Tacho, respektive die Prüfung des Kilometerstands einfach dazu. Und oft denkt man dann: Ja, das passt. Oder eben, das ist jetzt aber erstaunlich.
Es gibt zum Beispiel kaum einen Ferrari der letzten 30 Jahre, der über 30’000 km auf der Uhr hat. Und wenn man einen VW-Käfer anschaut, geht man davon aus, dass vor die fünfstellige Kilometerzahl eigentlich mindestens noch eine “1” oder “2” dazugehört. Einen Mercedes-Benz W123 Diesel mit unter 100’000 km kann man sich kaum vorstellen, eher noch einen mit über 400’000 km. Das persönliche Gefühl, was passt und was nicht, hängt sehr vom Auto ab. Einen Lotus Elise mit über 100’000 km erregt genauso Erstaunen wie ein Ford Taunus mit unter 50’000 km.
Bei meinen TVR 3000 S stehen inzwischen fast 86’000 auf dem Tacho. Eine “1” davor fehlt nicht, denn die ganze Geschichte des Wagens ist lückenlos dokumentiert. Es sind also echte 86’000 km. Und für mich passt diese Laufleistung gut zum Wagen, denn im Schnitt gibt das über die 48 Jahre nicht ganz 1800 km pro Jahr. In den ersten Jahren waren es jeweils mehr, in meinem Besitz über inzwischen 28 Jahre eher etwas weniger.
Einen englischen Kleinserien-Roadster (Begriff ist hier korrekt, denn der Wagen hat Steckscheiben und ein Notverdeck, das meist zuhause bleibt) wird kaum jemand als Ganzjahres-/Alltagsauto fahren, so kommen halt einfach weniger Kilometer zusammen, obwohl ich einen Kollegen habe, der damit die inzwischen wohl dreifache Laufleistung erreicht hat.
Die 86’000 km passen aber auch deshalb gut, weil sie Gewähr bieten, dass der Wagen immer in Bewegung war und dass gleichzeitig dank der robusten Grossserienkomponenten keine gröberen Reparaturen anfallen sollten in der nächsten Zeit (Holz anfassen).
Was ein “gesunder” Kilometerstand für ein Auto ist, hängt natürlich sehr von Bauweise und Hersteller ab. Während man bei niedrig belasteten Grossserien-Automobilen keine Mühe mit hohen Laufleistungen hat, wäre man wohl bei italienischen Exoten mit hochdrehenden und kompliziert aufgebauten Motoren da etwas vorsichtiger …

































