Triumph Herald Brabham – Ein leichtes Herz für schwere Füsse
Wem die maximal 39 bhp nicht genug waren, der konnte seinen Triumph Herald ab 1962 in der 248 Hook Road, Chessington, Surrey abgeben. Für 375 Britische Pfund konnte dort bei Jack Brabham Motors Ltd. der OHV-Eisenklotz gegen einen Coventry-Climax FWE 1200 ausgetauscht werden – jenes 83 bhp starke Leichtmetalltriebwerk, das auch im Lotus Elite zum Einsatz kam.
Zuvor hatte der zweifache Formel-1-Weltmeister den Umbau an seinem eigenen braun-weissen Coupé ausprobiert und das über 160 km/h schnelle Resultat auf der Racing Car Show 1960/61 in London ausgestellt. Bei den Probefahrten zeigte man sich nicht nur von der Beschleunigung, sondern auch vom Fahrverhalten beeindruckt, denn der Wechsel von Eisen zu Aluminium lastete auch 20 kg weniger schwer auf der Vorderachse.
Durch eine hintere Querfeder mit variabler Rate, einstellbare Armstrong-Dämpfer und Scheibenbremsen an der Vorderachse liessen sich Strassenlage und Fahrsicherheit abermals deutlich verbessern – natürlich gegen Aufpreis. Im Preis für den Umbau enthalten waren immerhin härtere Bremsbeläge, grössere Radbremszylinder, 5.60er-Reifen, eine neue Kupplung sowie ein Kühler mit elektrischem Lüfter enthalten.
Um das Wohlbefinden des Spenderherzes besser überwachen zu können, spendierte Brabham ausserdem ein Ölmanometer und ein Wasserthermometer. Annehmlichkeiten wie ein Holzlenkrad, Sicherheitsgurte oder zusätzliche Geräuschdämmung wollten hingegen wieder zusätzlich bezahlt werden. Getriebe und Hinterachsübersetzung blieben unverändert, wobei für die älteren Modelle die "lange" 4.10er-Achse des Herald 1200 empfohlen wurde.
Was sich jedoch nicht so einfach verbessern liess, war die Aerodynamik. Lag der Climax-Herald bis etwa 70 mph (ca. 110 km/h) in den Fahrleistungen gleichauf mit dem Lotus, verlor er darüber zunehmend den Anschluss. Trotzdem war der Brabham-Triumph allemal flink genug, um auf schmalen englischen Landstrassen die Besitzer teurer Luxussportwagen in den Wahnsinn zu treiben.
In der Schweiz kostete der Umbau 5450 Franken – zuzüglich zu den 7250 Franken für den Herald und die 250 Franken für die obligatorischen Scheibenbremsen. Der 1962 in Genf ausgestellte Herald Climax wurde sogar von der Automobil Revue probegefahren, die sich aber – entgegen ihrer sonst eher wohlwollenden Art – wenig begeistert von dem übermotorisierten Kleinwagen zeigte.
Aktuelle Zählungen gehen von elf gebauten Exemplaren aus, darunter auch ein Kombi. Hinzu kommt ein neuzeitlicher Nachbau. Wenn man auch den Schöpfer nicht unterstützte, so schien die Idee an sich im Leyland-Vorstand doch Gefallen gefunden tu haben. Noch im selben Jahr machte der Triumph Vitesse den Brabham-Herald überflüssig.


























