Es wird nichts so heiss gegessen wie es versteigert wird ... oder so
Man kennt dieses Phänomen aus der Gastronomie, wo einfache (aber deswegen keinesfalls schlechte) Gerichte gerne mit romantischen Ausschmückungen zur Haute Cuisine hochstilisiert werden, wodurch beim Gast eine andere Erwartungshaltung geweckt werden soll – nicht zuletzt beim Preis. Ganz ähnlich wird dies auch bei Oldtimer-Versteigerungen praktiziert. Denn leider besteht die Oldtimerwelt auch bei den grössten Auktionshäusern nicht nur aus Sonderkarosserien, Rennwagen und Werksunikaten. Hin und wieder muss man auch Massenware verhökern, weil eben nur oder erst diese – der Name sagt es ja – die gewünschte Masse in den Katalog bringt. Nur von Superklassikern alleine lässt sich eben auch nicht leben.
Natürlich will man aber auch die normalsten Autos so teuer wie möglich verkaufen. Also hängt man an die einstige Verkaufsbezeichnung eben noch eine Hubraumangabe, die Karosserieform, den Designer und irgendein Ausstattungsdetail an – selbst wenn es für die ersten drei Variablen jeweils nur einen einzigen möglichen Wert gibt und die vierte nicht von Belang ist. Und so wird aus einem sympathischen Triumph TR4 ganz schnell ein wichtigtuerischer Triumph TR4 2.1 Bucket Seat Roadster by Michelotti. Ob der Name dadurch nun eindrucksvoller oder lächerlicher wird? Nun, ich habe da eine ganz klare Meinung – die sich anscheinend nicht mit der der durchschnittlichen Auktionsklientel deckt. Denn anders sind solche aufmerksamkeitheischenden Selbstverständlichkeitsgeschwüre nicht zu erklären.
Zur Erklärung: Obwohl sich die Zeichenzahl verdreifacht hat, ist der zusätzliche Informationsgewinn gleich Null. So ziemlich alle TR4 hatten Kübelsitze, einen 2138 Kubikzentimeter grossen Motor und eine Zweisitzer-Karosserie nach Michelotti-Entwurf. Ja, auf Wunsch hat es auch einen etwas kleinerem Motor für die Zweiliter-Motorsportklasse gegeben sowie ein übergewichtiges Coupé namens Dové GT – was aber nur eine Unterscheidung notwendig macht, wenn das Auktionsauto eines dieser Merkmale aufweist. Ansonsten macht man einen gewöhnlichen TR4 nur scheinbar ungewöhnlicher als er tatsächlich ist. Oder anders ausgedrückt: Natürlich kann man die gekochten Erdäpfel auch mit zehn verschiedenen Sorten Fleur-de-Sel abschmecken – aber am Ende bleiben Salzkartoffeln trotzdem nur Salzkartoffeln.


























