Der Hund im Auto ersetzt nicht das Hirn im Kopf
Keine weinenden Kinder oder bandagierten Unfallopfer mehr – Die grossen Tafeln, die an Schweizer Autobahnen den Kraftfahrern ins Gewissen reden sollen, haben ein neues Motiv: einen schlappohrigen Basset Hound, dessen Bezug zum Strassenverkehr damit erklärt wird, dass ein modernes Automobil mit seiner elektronischen Spürnase ebenfalls Spuren folgen kann. Gefolgt von der Aufforderung: "Assistenzsysteme nutzen!"
Nur ist das kein guter Rat. Das ist eine Kapitulationserklärung. Denn es bekämpft nicht die Ursache der permanenten Ablenkung, sondern versucht lediglich die Symptome einzudämmen. Mehr noch: Es ermutigt die Leute sogar, sich beim Autofahren noch mehr mit etwas anderem als Autofahren zu beschäftigen. Denn im Prinzip lautet die Botschaft: "Sei so kurzsichtig, unaufmerksam und verantwortungslos wie du willst. Egal – dein Auto wird es schon richten."
Meiner Meinung nach gehört auf so ein Schild nur ein Wort: "Uffbasse!" (mit freundlicher Unterstützung von Bülent Ceylan). Was nämlich viele nicht begreifen: Abstands-, Notbrems- und Spurhalteassistent sollen dem Fahrer nicht die Arbeit des Fahrens abnehmen. Sie sollen ihm lediglich in Ausnahmesituationen bei der Fahrzeugbeherrschung helfen. Deshalb heissen sie auch "Assistenten" und nicht "Prokuratoren".
Auch mit allen elektronischen Handlangern bleibt Autofahren eine aktive Tätigkeit und ist nichts, was man nebenher beim SMS-Schreiben oder Zeitunglesen machen kann. Wer zwei Tonnen Metall mit krass übermenschlichen Geschwindigkeiten (Hand hoch, wer 120 km/h schnell laufen kann) durch die Gegend schiesst, sollte dem seine ungeteilte Aufmerksamkeit widmen. Und das sollte auch auf diesen Erziehungstafeln stehen.
Wer aufmerksam fährt, kann irgendwann gefährliche Situationen schon erahnen kann, bevor sie entstehen – wohingegen die Elektronik erst reagieren kann, wenn der Ernstfall bereits eingetreten ist. Erst letzte Woche hat eine solche unterbewusste Vorahnung verhindert, dass mein nur dreieinhalb Stunden zuvor gekaufter Youngtimer noch auf der Heimfahrt von einem modernen Kompaktwagen in einen Klumpen Altmetall verwandelt wird.
Und genau deshalb mag ich alte Autos. Weil man durch die Abwesenheit von aktiver und passiver Sicherheitsausstattung schon aus reinem Selbstschutz jede Ablenkung vermeidet – wodurch man zwangsläufig auch die anderen Verkehrsteilnehmer schützt. Wer sich aber ganz bewusst nur auf seine Assistenten verlässt, der braucht sie eigentlich gar nicht. Denn vor einer Sache kann selbst die beste Elektronik nicht schützen: Dummheit.


























