Der schöne Schoschone
Seit zwei Wochen überlege ich nun, wie ich unseren Lesern schonend beibringen kann, dass ich vielleicht ein wenig dick aufgetragen habe. Und rechne folglich damit, dass nach all den beglückwünschenden und freudig-gespannten Kommentaren die Enttäuschung unter Ihnen umso grösser sein wird, sobald der Vorhang gelüftet wird. Sie wissen schon: mein neues Auto, das bisher kaum auf unserer Seite zu finden war.
Denn leider ist mein Neuerwerb weder ein skurriler Kleinserien-Exot wie ein Muntz Jet, noch ein Muscle-Car-Fetisch wie ein Plymouth 'Cuda Convertible in Triple Black. Nein, es ist ein schlichter Sechszylinder-Schlitten, der etwa die Rasanz eines wirtschaftswunderlichen Opel Kapitän besitzt und der in seinem Heimatland ungefähr den gleichen Status geniesst wie bei uns ein Borgward Isabella Coupé.
Sie ahnen es schon: der hier gezeigte 1954er Studebaker Champion Regal Starlight Coupe ist nicht irgendein 1954er Studebaker Champion Regal Starlight Coupe. Es ist mein 1954er Studebaker Champion Regal Starlight Coupe. Gewiss, er besitzt nicht die Strahlkraft der allseits beliebten Fünfzigerjahre-Helden wie Ford Thunderbird oder Chevrolet Bel Air. Aber dafür teilt er sich den Stammbaum mit Lucky-Strike-Schachtel, Shell-Muschel und Spar-Tannenbaum.
Natürlich wollte ich anfänglich wie jeder andere auch ein Hardtop-Coupé mit Achtzylinder – mehr Power und weniger B-Säule. Doch der Farbkombination aus "Shoshone Red" und "Sandusky Beige" aussen sowie "Flax Vinyl" innen konnte ich nicht widerstehen. Inzwischen freue ich mich sogar über Flathead-Six und Mittelpfosten. Ein Sechszylinder ist herrlich konträr zur V8-obligaten US-Oldtimer-Kultur in Europa. Und dicht schliessende Türen haben auch etwas für sich.
Der versprochene Fahrbericht kommt natürlich trotzdem, auch wenn er vielleicht etwas weniger neutral als sonst ausfallen wird – und sich nach dieser enttäuschenden Enthüllung wohl niemand mehr dafür interessiert...


























