Das mechanische Erlebnis fehlt zunehmend
Wer einmal einen VW Käfer gefahren hat, der wird sich sein Leben lang an das erinnern, was er dabei erlebt und gefühlt hat. Das knochige Schaltgefühl, die zarten Vibrationen vom Heck, das Lenkgefühl, ja sogar die Rückstellkraft des Blinkerschalters. Und wenn er auch einen Opel Kadett ausprobieren konnte, wird er sich der grossen Unterschiede bewusst sein, die es zwischen diesen beiden einstigen Konkurrenten gab.
Gleiches gilt für den Vergleich zwischen einem Ferrari 308 GTB und einem Porsche 911 G-Modell. Die Sensorik prägt sich im Gedächtnis ein, wenn man einmal Gelegenheit hatte, den Schalthebel durch die Kulisse zu führen oder den luftgekühlten Heckmotor im Heck mit der linken Hand zu starten. Kein Wunder, dass viele Oldtimerkäufer wieder zu einem Auto greifen, das sie einmal selber fahren konnten, als es vielleicht noch neu oder ein Gebrauchter war. Das damalige “mechanische Erlebnis” ist dabei ein ausschlaggebender Faktor. Und selbst, wer nicht auf Basis von Erinnerungen nach einen Klassiker sucht, wird schliesslich diese Unterschiede in der Haptik/Sensorik als Kriterien bei der Wahl des richtigen Wagens berücksichtigen.
Über die letzten Jahrzehnte aber wurde dieses “mechanische Erlebnis” zunehmend in den Hintergrund gedrängt. Die Lenkung ist heute elektrisch unterstützt, die Schaltung erfolgt über elektrische Verbindungen und Paddles am Lenkrad, wenn es überhaupt noch eine Schaltung gibt. Spätestens mit dem modernen Elektroauto verschwindet fast das gesamte “mechanische Erlebnis”, denn hier gibt es weder Motor noch Schaltung. Es wäre interessant zu untersuchen, ob Versuchsfahrer, die getarnte Elektroautos testen könnten, überhaupt noch im Stande sind, die Typen/Hersteller auseinander halten. Und selbst optisch gleichen sich im Innern die Autos einander an. LCD-Anzeige vor dem Lenkrad, Riesen-Tablet in der Mittelkonsole, keine Schalter.
Die Frage ist aber, wie sich das wohl auf die Sammler von morgen auswirken wird. Wieso sollte man beispielsweise in 10 Jahren einen Tesla S von 2012 in seine Sammlung stellen, wenn der dann aktuelle Tesla doch alles besser kann und das “mechanische Erlebnis” fast gleich ist (mit Ausnahme eines noch monströseren Beschleunigungsvermögens). An was kann man sich in 20 oder 30 Jahren noch erinnern, wenn man an seinen ersten Tesla zurückdenkt?


























