Entweder husten oder lahmen
Die Saison ist zu Ende, manche erlebnisreiche Fahrt liegt hinter uns, die Autos haben grossmehrheitlich ihren Dienst getan. Nun stecken wir mittendrin in langen Herbst- und bald Winterabenden. Arbeit gibt es genug. Und manchmal wünschte man sich, dass man sich einst etwas hätte zurückhalten können. Warum?
Alte Technik zeichnet sich dadurch aus, dass man sie noch mit den elementaren Grundkenntnissen im Griff haben kann. Die Einfachheit mancher Konstruktion verlangt aber etwas Wartungsaufwand, der Gang rund um den Wagen mit der Fettpresse etwa, der aber auch zu einem geradezu meditativen Erlebnis werden kann. Auf alle Fälle tut es gut zu wissen, dass in den Kugelbolzen, Büchsen und Lagern und anderen beweglichen Teilen wieder eine hübsche Schmierschicht für beste Funktion sorgt.
Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass etwa mein VW Transporter viel-viel besser fährt, wenn er auf seine Traghebel und Bundbolzen der Vorderachse eine geschmiert gekriegt hat. Dass man dazu ab und zu sein Auto aus einer anderen Perspektive betrachtet, hat auch sein Gutes: Da hängt ein Kabel runter oder hat eine Manschette der Antriebswelle bereits kleine Risse – Repro-Gummiteile, das ewige Ärgernis, aber das ist ein anderes Thema.
Und gut ist es auch, sofort alle Gebrechen zu beheben. Was nicht immer ganz leicht ist, etwa nach einer längeren Ferienfahrt mit vielen Kilometern und dem darauffolgenden Wiedereinstieg in ein 100-prozentiges Berufsleben. Da häuft sich manchmal einiges an Arbeit an und es fehlt die Zeit, weil man die Abwesenheit im Büro mit Nachsitzen zu büssen hat. Natürlich gibt es aber auch jene Momente, in denen man in einem Anflug von Geschäftigkeit allerlei Gebrechen beheben kann. Auch dies ist ein erhebendes Gefühl. Nur wird meistens ab einer gewissen Menge an Autos – sprechen wir lieber von Projekten – die Arbeit kein Ende nehmen. «If they don't lame, they cough!» hat ein englischer Pferdezüchter einmal gesagt: wenn sie nicht lahmen, dann husten sie.
Das mag für Autos genauso stimmen wie für Pferde. Etwas zu tun gibt es immer. Und wenn einmal der ganze Fuhrpark ohne Befund dasteht, dann macht man sich gleich Sorgen. Ja, in der Tat, ich bin regelmässig weit weniger nervös irgendwo hinzufahren, wenn ich beim entsprechenden Auto von zwei- drei Kleinigkeiten weiss. Ich fahre schon mal mit einem Provisorium durch die Gegend, einer Notreparatur, von der ich weiss, dass ich sie selber hingepfuscht habe und den Schwachpunkt nun bestens kenne.
Ein perfekt funktionierendes Auto trägt die Aura der Undurchschaubarkeit mit sich, der – ungewollten Überraschung. Doch zum Glück ist das perfekte Auto nur ein Idealzustand, dem es gilt sich möglichst gut anzunähern. Zumindest bei mir ist das so. Dieses Geräusch im Antrieb, die Tür hinten links, die sich nur von innen öffnen lässt, die knarrende Sitzschiene, der Ölbadfilter, der nach frischem Öl schreit, das Scheibenwischerblatt beim Beifahrer welches gut schmiert und schlecht wischt – Kleinigkeiten halt – Hauptsache die Kiste fährt. Sie stört mich ja auch, diese Imperfektion, aber ich habe gelernt sie zu akzeptieren.
Ja, ich denke mir gelegentlich auch es wäre wohl schlau mich auf ein, zwei Autos zu beschränken. Dann würde anteilmässig mehr Aufmerksamkeit für sie abfallen. Das mag schon sein, aber dieser Verzicht wäre mir zu gross. Ich mag meine Autos und sie mich – meistens – auch, selbst wenn ich manchmal das Gefühl habe, sie könnten sich etwas vernachlässigt fühlen.


























