Erhöhtes Geltungsbedürfnis
Ich habe mich ja schon einmal darüber lustig gemacht, dass Auktionshäuser die Namen von Autos teils ins Groteske verlängern, um möglichst viele verkaufsfördernde Informationen darin unterzubringen. Allerdings kann man ihnen hier keinen Vorwurf machen. Schliesslich gehen die Hersteller in Sachen technischer Überbetonung seit vielen Jahrzehnten mit gutem (oder schlechtem) Beispiel voran.
"Turbo", "Injection" oder "16V" gehören zu den gängigsten Ergänzungen hinter einem Modellschriftzug. Aber sobald etwas anderes als Aufladung, Gemischbildung oder Ventilzahl erwähnt wird, wundert man sich darüber. So fand beim Opel Arena, dem 1997 gestarteten Lizenzbau des damals schon 17 Jahre alten Renault Trafic, etwa das Antiblockiersystem auf der Hecktür Erwähnung, um die veraltete Konstruktion noch irgendwie als zeitgemäss zu verkaufen. Genauso stolz verwiesen Fiat und Toyota auf ihre Fünfganggetriebe.
Triumph liess es 1965 nicht dabei bewenden, die Weiterentwicklung des TR4 mit einem simplen "A" zu kennzeichnen. Quasi zur Betonung des Fortschritts – oder eher: des Anschlusses an die Gegenwart – wurde noch ein "IRS" daruntergesetzt, um allen zu zeigen, dass die altertümliche Starrachse endlich ausgedient hatte. Wobei es in diesem Fall nicht ganz gerecht ist, von reiner Selbstdarstellung zu schreiben. Schliesslich gab es den TR4 A auf Wunsch auch weiterhin mit starrer Hinterachse.
Der Hinweis auf die vier Scheibenbremsen beim Jaguar Mark II diente immerhin der Warnung anderer Verkehrsteilnehmer und damit der Sicherheit. Nur: Fuhr man in seinem trommelgebremsten Vehikel dicht genug auf, um die Plakette lesen zu können, hing man bei der nächsten Vollbremsung trotzdem im Heck der so vehement verzögernden Limousine. Volvo schrieb dem 240 stolz die gemischregulierende Lambdasonde in den Kühlergrill. Opel hob den Hinweis auf den Katalysator gar rot hervor.
Vielleicht sollte man in Zeiten der Abonnements für Sonderausstattungen auch auf die gewählten Extras verweisen. Die "Automatic" hat vor mehr als 50 Jahren den Anfang gemacht. Möglicherweise folgen bald ja "Fensterheber", "Sitzheizung" und "Tempomat" auf den Hecks zukünftiger Autos, wenn Aufladung, Gemischbildung oder Ventilzahl der Vergangenheit angehören. Beim Opel Omega CD war der Namenszusatz indes kein Verweis auf das gewählte Autoradio.


























