Tatort auf vier Rädern
Die "Welt am Sonntag“ vom 25. Februar 2024 berichtete über zwei Seiten von der Rétromobile in Paris. Eigentlich toll, wenn unser Hobby in den Massenmedien so viel Platz findet.
Nur leider war Anlass zu diesem Bericht weniger positiver Natur. Es ging um Fälschungen und Betrug – Kienle und die Ungereimtheiten rund um die 300-SL-Mercedes haben unsere ganze Branche durchgerüttelt.
So schreibt die „WaS“ über die Pariser Messe: „Sind die herausgeputzten Wagen auf den Ständen überhaupt echt – oder stehen da aus Ersatzteilen fabrizierte Kopien herum? Noch schlimmer: Handelt es sich gar um einst gestohlene Fahrzeuge, die nun mit einer scheinbar lückenlosen Historie und einer neuen Fahrgestellnummer frisiert worden sind?“
3258 Mercedes Benz 300 SL wurden von 1954 bis 1963 als Gullwing oder Roadster verkauft, oder besser gebaut. Heute gibt es davon rund doppelt so viele. Immerhin sind die Autos mittlerweile zwischen 1,2 und 1,8 Millionen wert, die letzten paar mit den Aluminium-Motoren übersteigen sogar die 2 Millionen.
Neben den bekannten Fakten zur Kienle-Geschichte nannte die Welt am Sonntag auch den “Gesamtschaden”: Gemäss einer Tabelle des Insolvenzverwalters vom 1. Februar 2024 hätten 111 Gläubiger Forderungen gegenüber der Firma in Höhe von 25’103’628,91 Euro angemeldet.
Berichtet wurde auch über einen Flügeltürer-Käufer aus Antwerpen. Dieser bereute offensichtlich, dass er 2007 nicht genauer hingesehen hatte, als er bei Kienle gleich drei Autos kaufte. Auch er wurde mit der Tatsache konfrontiert, dass ein zweiter Wagen mit derselben Fahrgestellnummer in den USA existierte.
Gemäss WaS begannen auf der Rétromobile selbst renommierte Händler an der Echtheit ihrer Exponate zu zweifeln. Nach Entdeckung von Unstimmigkeiten jedenfalls liess ein Händler die Decke über einen SL ziehen und zog den Wagen vom Verkauf zurück.
Sollte einem nun der Gedanke kommen, das Ganze sei ein reines Stern-Thema, der irrt natürlich gewaltig. Ähnliche Ungereimtheiten finden sich auch im Umfeld von Sport- und Rennwagen von Alfa Romeo, Bizzarrini, BMW, Bugatti, Ferrari oder Porsche, und die Liste könnte noch um viele weitere Marken verlängert werden. Überall dort, wo es um viel Geld geht, sehen halt manche ihre Chance, mit geringem Aufwand zum grossen Geld zu kommen. Und wenn die Käufer dann nicht so genau hinschauen ...
Wer solchen Risiken aus dem Weg gehen möchte, der sollte sich vielleicht volkstümlicheren Autos zuwenden. Bei einem Ford 17M oder einem Renault 4 werden kaum je Chassisnummern gefälscht …


























