Eine einst stolze Strasse
Natürlich kann eine Strasse nicht im engeren Sinne stolz sein, aber manche Strassen haben eben doch eine grosse Bedeutung. So war es auch mit der Baslerstrasse in Zürich, die von Zürich nach Altstetten führt und eine Parallelstrasse zur Hohl- oder Badenerstrasse ist. Ihr Name ehrt die Grossstadt am Rhein, ist also nur schon vom Namen keine Nebenstrasse.
Das Foto oben zeigt diese Strasse im Jahr 1967, ab Kreuzung mit der Herdernstrasse in Richtung Innenstadt. Links und rechts stehen Bäume, es gibt viel Platz für die wenigen Autos, links und rechts reicht es sogar noch für Parkplätze und Trottoirs, wie wir die Gehsteige in der Schweiz nennen.
Rund 25 Jahre später wurde dieses zweite Bild von der Swissair Photo AG aus der Luft geschossen. Zu sehen ist auf dem Ausschnitt derselbe Strassenabschnitt. Inzwischen hat das Auto die Oberhand gewonnen, je zwei Spuren führen zur Innenstadt und von ihr in Richtung Altstetten. Ich kann mich noch selber an diese Kurve erinnern und an die folgende Gerade, die damals, wen mich mein Erinnerungsvermögen nicht trügt, mit 60 km/h befahren werden konnten. Schliesslich war dies eine Transit-Route.
Dies ist lange her. Irgendwann wurde die Strasse zurückgebaut auf je eine Spur und schliesslich auf 30 km/h reduziert. Und heute sieht die Strasse so aus.
Wir blicken auf dasselbe Strassenstück, rechts sieht man das abgeschrägte Gasthaus, das auch auf den anderen Fotos zu sehen war. Prächtige Fahrradwege wurden links und rechts aufgemalt.
Wenn man der Strasse weiter in Richtung Innenstadt folgt zeigt sich dann dieses Bild. Die einst vierspurige Strasse wurde zur Einspurstrasse. Der Automobilverkehr ist nur noch in Richtung Innenstadt (also von der Kamera weg) erlaubt, weiterhin mit Tempo 30 km/h. Rechts ist ein zwei Meter breiter Radweg vorhanden, links in Gegenrichtung ein über drei Meter breiter Radweg. Das ganze nennt sich “Velovorzugsroute”, im Prinzip eine Art Fahrrad-Highway. Die Autos, die bisher hier stadtauswärts fuhren, müssen sich nun einen neuen Weg suchen, in Richtung Innenstadt kommt man auch nicht mehr, denn am Ende der Strasse muss man links abbiegen und wird direkt auf die Hardbrücke nach Zürich Nord geführt.
Ganz durchdacht ist das neue System selbst für die Fahrradfahrer nicht, denn die alten Verkehrsteiler sind teilweise geblieben und werden wohl zu Engpässen und unangenehmen Begegnungen zwischen den immer zahlreicher werdenden und mit immer umfangreicherem Gerät (Sichtwort Lastenfahrräder) vorfahrenden Zweiradlern und den Autofahrern führen.
Das Witzige an der Sache ist, dass die Strasse von 1967 oder 1991 genügend Platz für wirklich grosszügige Velostreifen und Fahrspuren für die Autos in beide Richtung gehabt hätte. Aber mit mehrfachen teuren (und rückblickend sinnlosen) Umbauten hat man sich im Prinzip den Platz für kluge Lösungen genommen. All dies ist natürlich kein Zufall, sondern entspricht der Strategie der Stadtregierung, Autos zu verdrängen und zur Metropole mit vor allem öffentlichem und lautlosem Zweirad-Verkehr zu werden.
Nun bin ich als Teilzeit-Radfahrer natürlich durchaus für sichere und schnelle Radwege durch die Stadt zu haben, aber ob man am Beispiel Baslerstrasse wirklich das finanziell und sicherheitstechnische Optimum erzielt hat, muss man sich fragen. Ähnliche Projekte gibt es quer durch die Stadt Zürich.
Vielleicht geht unseren automobilen Klassikern mit Verbrennungsmotoren ja die Strasse eher aus, als dass sie verboten oder stärker eingeschränkt werden?
P.S. Übrigens, nicht unweit dieser Strasse fand 1927 ein Kilometerrennen statt, das die Bevölkerung und Zuschauer zur Begeisterung trieb. Das waren noch Zeiten ...


























