Underdog oder Supersport?
Wenn es in einem Unternehmen wirtschaftlich ernst wird, fallen Begriffe wie "strategische Neuausrichtung“ und "Visionsmodell“ oder "Designidentität“. So hat jedenfalls Porsche-Chef Michael Leiters argumentiert, als es um die "Sportwagenschmiede ‘35“ ging – eine Neuausrichtung, um die zuletzt doch arg geschrumpfte Marge wieder in den zweistelligen Bereich zu hieven.
Das Konzept "Mission S“ soll eine Mittelmotor-Supersportwagenplattform oberhalb des 911 werden. Nicht als Sonderserie wie der Carrera GT oder 918 Spyder, sondern "als dauerhaftes, vielfältiges, zusätzliches Angebot“. Vorbild: der Porsche 550 Spyder von 1953. Das kleine Auto, mit dem James Dean verunglückte, das Weltruhm in Le Mans und bei der Targa Florio errang, weil es als Underdog erfolgreich bestehen konnte.
Moment. Ein Underdog als Supersportwagen? Doch, doch, Zitat: "Als erster Supersportwagen der Marke gilt der 550 Spyder bis heute als identitätsstiftend für das Unternehmen.“ Den Spagat muss man erstmal schaffen, deshalb wollen wir noch den Nachsatz zitieren: "Im Innenraum stehen Purismus, fahrerorientierte Ergonomie und eine zukunftsweisende Symbiose aus analogen und digitalen Bedienelementen im Fokus.“
Okay, Tradition plus Innovation, das klingt nach Porsche Kernwerten, auch wenn am 550 nie Supersportwagen stand. Aber muss das eigentlich sein? Ein Porsche muss nicht fett wie ein Bugatti sein, nicht zerklüftet wie ein Lambo und nicht aufdringlich wie ein Ferrari. Ein Porsche muss ein Porsche sein. Zeitlos, authentisch, dezent, zuverlässig, schnell. Das wollen die Kunden von heute und die Fans von morgen. Exklusivität entsteht nicht durch eine weitere Modellreihe, sondern durch Leckerbissen von Zeit zu Zeit. Das ist die Kunst.

































