Strom-Ente
Eigentlich wollte ich ja über Lapalisse schreiben. Hin und zurück rund 1200 Kilometer, zu dritt, im 1953er DeSoto. Und was soll ich sagen: Der Dicke hat keinen einzigen Mucks gemacht. Autobahn, Landstrasse, Kurven in stockdunkler Nacht, dazu Runde um Runde Schleichfahrt durch Lapalisse im inszenierten Ferienstau – alles weggesteckt, ohne Murren. Und zurück hat er uns auch noch gebracht, ganz bequem und sehr, sehr entspannt. Stoff genug für einen Blog, dachte ich.
Doch dann klappe ich den Computer auf, und mir springt eine Meldung entgegen, die alles über den Haufen wirft: Citroën bringt die Ente zurück! Vorerst als Konzeptstudie, gezeigt am Vorabend des Pariser Autosalons, ab 2028 dann als Serienauto. Der Döschwo feiert seine Wiederauferstehung – elektrisch, versteht sich. Und er bedient sich dabei kräftig beim Original, jenem Auto, das 1948 als fahrbarer Untersatz für die Landbevölkerung Frankreichs vorgestellt wurde.
Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Denn die Embouteillage de Lapalisse ist für Autos bis etwa 1965 gedacht, und da waren Enten natürlich zuhauf mit dabei. Ich selbst war in den Neunzigerjahren ein passionierter Entenfahrer – und prompt sind mir die knatternden Wellblechmodelle oder Kastenenten wieder aufgefallen, die sich so ganz anders bewegen als alles andere auf vier Rädern.
Die Trägheitsdämpfer an den hinteren Schwingenenden sind hier gut zu sehen.
Die Enten der Fünfziger- und Sechzigerjahre schaukeln nach jeder Bodenwelle munter nach. Kein Wunder: An den vorderen Schwingarmen sitzen nur Reibungsdämpfer, die die Aufbaubewegungen zähmen sollen, und an den Rädern vorne wie hinten Trägheitsdämpfer, die dafür sorgen, dass die Räder nicht springen. Das Resultat: Kein anderes Auto bewegt sich auch nur annähernd wie ein Döschwo. Und dann dieser Sound! Das Knattern des luftgekühlten Zweizylinders und das Heulen der Ventilators sind einmalig.
Das Radio erinnert an das alte, "Radioën" welches für den 2CV als herausnehmbare Option angeboten wurde.
Nun also die Strom-Ente. Eines ist klar: Fahren wird sie sich wohl wie ein heutiges Elektroauto, leise und unspektakulär. Eine technische Revolution, wie es das Original 1948 war, wird sie kaum. Aber einen ganz wichtigen Punkt scheint der kleine, günstige Stromer zu erfüllen: Er ist nicht langweilig. Während uns viele Hersteller das Glück mit einer Flut mehr oder weniger gelungener Elektro-SUV weismachen wollen, sticht die neue Ente heraus. Mit 3,76 Metern Länge und einem angepeilten Gewicht von rund einer Tonne ist sie für heutige Verhältnisse fast schon zierlich.
Bleibt die Preisfrage – und da wird es spannend. Citroën peilt einen Einstiegspreis von unter EUR 15'000 an, und zwar vor Förderbeiträgen. Aber wenn die Franzosen das hinkriegen, hätten wir endlich wieder ein Auto für alle, das Charakter hat. Genau so, wie es die Ente einst war.


























