Moment mal, da tut sich etwas im Verkehrshaus der Schweiz!
Das Verkehrshaus der Schweiz besitzt eine umfangreiche Automobilsammlung. Viele Objekte aber schaffen es eher selten in die Ausstellungen. Seit der Eröffnung der aktuellen Halle Strassenverkehr 2009 war es vermutlich nicht die Hälfte aller vorhandenen Wagen. Bei den ausladenden Dimensionen gewisser Vorkriegswagen ist das System des Schaulagers, der Regallift, zum Teil auch schlicht überfordert.
Dass auch sonst nicht alles gezeigt werden kann, hat auch andere Gründe, denn die meisten Objekte sind Donationen. Sie wurden dem Verkehrshaus, dem vielfältigen Technik- und Mobilitätsmuseum an den Gestaden des Vierwaldstättersees bei Luzern, geschenkt. Daraus ergibt sich, dass keine systematische Sammlung erfolgt, sondern eher der Zufall mitspielt, was da genau in den Depoträumen unter weissen Tüchern gelagert wird.
Autos im Verkehrshaus-Aussenlager – auch der Lamborghini Miura war einst ein Geschenk. Das Verkehrshaus durfte Mitte der 1970er-Jahre, bezahlt durch einen Spender, aus fünf Exemplaren beim Importeur Karl Foitek einen auswählen.
Manche der Wagen standen an ihrem eigentlichen Lebensende, da wo sie nach rechnerischen Gesichtspunkten auf dem Abbruch gelandet wären, als sie in den zwischen 12'000 und 15'000 Objekte starken Fundus gelangten – dieser reicht von der goldenen Krawattennadel der ehemaligen Swissair bis zur Gebirgslokomotive, einem U-Boot oder einem vierstrahligen Passagierjet. Sämtliche Materialien sind darin vertreten und stellen damit Bedürfnisse an die Einlagerung, die zuweilen einander diametral gegenüberstehen – kein leichtes Unterfangen und im Kontext der schieren Menge eine Aufgabe, die sich im Prinzip mit den verfügbaren Budgets gar nicht erfüllen lässt. Und auch Museumsobjekte altern. Manche davon weit stärker als sie es tun würden, wenn sie von einem Besitzer gehegt und gepflegt würden.
Traction Avant "A". Das Auto aus der allerersten Serie vom Frühling 1934 erlitt durch falsche Lagerung vor langer Zeit einen Korrosionsschaden an der Wasserpumpe. Es war ein Geschenk von Citroën Suisse SA zu deren 50. Jubiläum in der Schweiz.
Es gibt zahlreiche Autos, die im fahrbereiten Zustand dem Haus am See übergeben wurden, bei denen jedoch der Erhalt dieser Eigenschaft aus Mangel an Ressourcen jeglicher Art – Geld und Manpower – nicht zu stemmen war. Beispiele – von Lincoln über Rolls-Royce bis zu Renault oder Hispano-Suiza – gibt es genügend. Die Wagen kamen ins Museum und wurden hier stillgelegt. Allerdings nicht im Sinne einer ordentlichen Stilllegung, sondern zum Teil einfach abgestellt. Ich kann mich erinnern, wie die Erben eines Donators reagierten, als sie seinen Alvis Graber nach Jahren in der Sammlung, nicht im Museum, wieder zu Gesicht bekamen. Der Wagen war absolut desolat, die Batterie – nicht ausgebaut – ausgelaufen und der Schweller so bröslig wie ein Blätterteig, da der Wagen jahrelang in einer feuchten Tiefgarage gestanden hatte. Zudem hatte eine unsachgemässe Handhabe die Kühlermaske beschädigt.
Ein sehr seltener, kleiner Tatra 97 von 1939 und die Corvette C2 von 1966. Hier war es die Absicht der Donatorin, dass der Wagen NICHT mehr fahren solle, da sie ihn untrennbar mit ihrem verstorbenen Mann in Verbindung brachte und sie sich niemand anders hinter dem Lenkrad vorstellen wollte. Ich bin die letzten Kilometer dieses Autos auf eigener Achse bei der Überführung vom Bodensee ins Verkehrshaus gefahren.
Es war ein Problem mangelnden Geldes, vielleicht auch des Interesses, seitens der damaligen Verantwortlichen des meistbesuchten Museums der Schweiz, geeignete Lagerplätze und Personal mit Sachverstand zu finden. Dies lag wohlgemerkt lange vor der Zeit der aktuellen Verantwortlichen des Hauses. Aber es sind Befunde, bei denen es gilt, sich damit herumzuschlagen und Lösungen zu finden.
Es gibt weitere Beispiele, dass Autos aus der Sammlung gelitten haben, weil sie in einer feuchten Tiefgarage eines Schweizer Bundesbetriebes eingelagert waren. Andere Objekte wurden in einer privaten Lagerhalle untergebracht, wo sie mit Vogelkot eingedeckt wurden. Die Umstände der Lagersituation sorgten auch für Transportschäden: Der Graber Rolls-Royce wurde aus seiner Gruft mit solch roher Gewalt befreit, dass der in Unachtsamkeit um die Spurstange statt die Achse gelegte Gurt die Spurstange durchbog und die Räder des armen Wagens danach in verschiedene Richtungen zeigten. Ein bekannter Sammler und Betreiber seines eigenen Museums in der Nordwestschweiz hat diese dann während einer Leihnahme des Autos wieder gerichtet.
Nun, der Grund dieses doch mit reichlich persönlichen Erinnerungen gespickten Blogs – ich hatte das Vergnügen, für das Verkehrshaus die aktuellen Depots zu planen und einzurichten – ist ein Spendenaufruf des Hauses zur Restaurierung des Monteverdi Sierra von 1978 (Bild ganz oben). Der Wagen gelangte bereits 1987 in die Sammlung, geliebt wurde er allerdings wenig. Gefahren wurde er noch weniger, kein Wunder, es war ja damals auch kein wirklich altes Auto.
Nun sammelt das Verkehrshaus Geld für die Restaurierung des fraglichen Sierra. Allerdings stellen sich beim Durchlesen des Beschriebs in der aktuellen Ausgabe des Verkehrshaus-Magazins essenzielle Fragen, wenn da steht: "Ohne Restaurierung droht ein schrittweiser Verlust an Originalmaterial." Ist den Verantwortlichen bewusst, dass es primär die Restaurierung ist, die für Verlust von Originalsubstanz sorgt? Wenn die Bremsen wieder funktionieren sollen, dann wird man sich von gewissen Komponenten verabschieden müssen.
Jetzt wird das Auto also einem Fachbetrieb übergeben, wo "restauriert" werden soll. Das wird in manchen Belangen einer Erneuerung gleichkommen und ist dem Erhalt von Originalsubstanz nicht unbedingt zuträglich. Dazu empfiehlt sich für die Verantwortlichen ein Blick in das Buch von Michael Collier: The Archaeological Automobile. Dort beschreibt der Gründer des renommierten Revs Institute in Florida, USA, den Zusammenhang von Substanzverlust und Erneuerungsarbeiten, eben der Restaurierung.
Das Unterfangen lässt sich ganz grundsätzlich hinterfragen. Welche Erkenntnisse lassen sich beispielsweise aus dem fahrenden Monteverdi Sierra herleiten? Wie sich ein amerikanischer Mittelklassewagen der 1970er-Jahre – nicht mal ein besonders guter – fährt, ist bekannt. Da gibt es reihum Beispiele, die bei Bedarf zur Verfügung stünden.
Automobil-Archäologie mit hohem Erkenntnisgewinn war hingegen die Wiederinbetriebnahme des Dufaux-Rennwagens. Hier waren Fragen offen, die erst mit der wortwörtlichen "Erfahrung" zu beantworten waren. Zudem konnten im Rahmen eines begleitenden Buchprojekts mit den entsprechenden Recherchen vertieftes Wissen, etwa zur Frühgeschichte des Autos, zu dessen Technik und Fahrverhalten gewonnen werden. Beispiele wie diese gäbe es im Bestand des Verkehrshauses noch genug.
Der Dufaux-Rennwagen beim Luzern-Basel-Run 2024 am Hauenstein. Die Wiederinbetriebnahme wurde von umfangreichen Recherchen begleitet und brachte den wahren Jahrgang oder den wirklichen Einsatzzweck des ältesten Rennwagens der Schweiz und eines der ersten Objekte der Sammlung des Verkehrshauses zu Tage.
Nun will man also den Monteverdi Sierra wieder fahrfähig machen. Man kann daran vieles als ein Fehler sehen, doch die Absicht ist ein positives Zeichen, dass man der manchmal als etwas vernachlässigt empfundenen Sammlung im Verkehrshaus durchaus Aufmerksamkeit schenkt. Wer für den Sierra spenden möchte, findet den Link HIER.

































