Ist die Generation Z schuld?
Eine NZZ-Schlagzeile diese Woche lautete: “Zu anspruchsvoll und anstrengend: Die Generation Z interessiert sich immer weniger für technische Berufe.”
Und tatsächlich, wenn man mit Oldtimer-Spezialisten und Wartungsbetrieben spricht, kommt das Rekrutieren von Personal immer als eine der grössten Sorgen zur Diskussion.
Die jungen Leute, so hört man, weisen oft nicht nur eine aus Oldtimersicht zu “moderne” Ausbildung auf, sie sind auch oft nicht bereit, die langen Lernkurven zu erdulden und mal die eine oder andere Zusatzstunde aufzuwenden. Und Einsätze am Wochenende sind sowieso meist kein Thema. Und gar nicht so selten verlassen die Nachwuchskräfte den Betrieb schon bald wieder, noch bevor die Anfangsinvestitionen in die Ausbildung wieder zurückgeflossen sind.
Entsprechend werden Arbeitsstunden bei Oldtimerbetrieben immer teurer. Ich kann mich noch selber erinnern, dass ich einst für Arbeiten an meinen Klassikern 49 Franken pro Stunde bezahlt habe, heute sind es 140 Franken oder je nach Betrieb auch über 200 Franken. Die Effizienz ist darob nicht etwa gestiegen, sondern gar nicht selten stieg auch die Anzahl Stunden für Arbeiten, weil heute mehr Recherche-Stunden verrechnet werden oder die Mechaniker am Auto einfach weniger Erfahrung haben.
Es wird also immer teurer, einen Klassiker zu unterhalten, wenn man nicht selber schrauben kann. Kein Wunder bedeutet z.B. ein defekter Wärmetauscher bei einem Triumph TR7 wegen der zu verrechnenden Arbeitsststunden und den hohen Ersatzteil-/Arbeitspreisen im Grundsatz bereits den kommerziellen Tod des britischenKlassikers. Natürlich wird man seinen Wagen wegen solcher Rechnungen nicht gleich verschrotten, aber schmerzen tun die heute oft vier- und fünfstelligen Rechnungen natürlich schon.
Und auf den Nachwuchs, der sich zum ersten Mal einen alten Wagen kaufen möchte, wirkt all dies natürlich ziemlich abschreckend. Denn was nützt es, wenn man z.B. einen MGB heute bereits für knapp fünfstellige Beträge kaufen kann oder ein Audi Cabrio noch für weniger, wenn hinterher riesige Wartungs- und Unterhaltsrechnungen drohen?
Natürlich ist es nicht (nur) die Generation Z (geboren zwischen 1996 und 2012), welche die Schuld an dieser Entwicklung trägt. Da kommt viel mehr zusammen als das, etwa sinkende Ersatzteilqualität, teure Mieten (für Werkstätten), Vorschriften/Regulierungen, usw., aber die Welt von damals, als ein kleines Budget für den Betrieb eines alten Autos reichten, die ist offenbar Vergangenheit.
P.S. Natürlich gibt es auch Ausnahmen und junge Leute, die sich voller Enthusiasmus in die Oldtimer-Materie einarbeiten, keinen Aufwand scheuen und sich so eine Karriere und ein Geschäft aufbauen können. Gottseidank!


























