Abschleppwagen – der Ungeliebte
Wenn es nur noch schleppend vorangeht, wie mit der Wirtschaft oder den Friedensverhandlungen oder einer Autobahnbaustelle, dann sind wir zu Recht unzufrieden. Und wenn heute noch ein unverbesserlicher Macho sich rühmt, er habe wieder eine abge-schleppt, wenden wir uns peinlich berührt ab.
Aber wenn jemand mein Pannenauto fachmännisch abschleppt, muss ich froh sein, dass sich jemand kümmert.
Trotzdem haben wir da ein Tabu- Thema. Die Hersteller lieben es nicht, wenn eines ihrer Autos auf dem Abschleppwagen abgelichtet wird. Die Besitzer reden ungern darüber, weil sie doch am Stammtisch immer die Zuverlässigkeit ihres Wagens gerühmt haben – abgeschleppt werden müssen ist eine Schlappe.
Aber wenn das Auto schlapp macht, bleibt halt manchmal nur noch der Abschleppwagen, der Besitzer muss, ob er will oder nicht, den Abschlepp wagen. Und diese Wagen gehören in der Hierarchie der Auto-Typen zu den absoluten Parias, nur die Kehrichtwagen haben noch ein schlechteres Image, weil sie einen am Morgen aus dem Schlaf reissen, weil sie stinken und innerorts den Verkehrsfluss hemmen.
Dabei sind die Abschleppwagen eine völlig unterschätzte Kategorie. Sie sind in Tat und Wahrheit ein unerschöpfliches Tätigkeitsfeld für einfallsreiche Klein- Konstrukteure. Und es ist wohl kein Zufall, dass in Frankreich, einem technisch besonders kreativen Land, wo der Citroën Traction, der Typ H, der 2CV und der DS entstehen konnten, auch der Abschleppwagen nicht vor Innovation gefeit war. Ob das auch der Tatsache geschuldet ist, dass französische Autos früher angeblich pannenanfälliger waren als deutsche wie etwa «Opel, der zuverlässige», wäre noch näher zu untersuchen.
Was unbestritten ist: Citroën hat bei der Lancierung der revolutionären Traction und DS den Erstbesitzern und den Markenvertretungen dank zahlreicher Pannen mit den ersten Neuwagen Gelegenheit geboten, sich an der Endentwicklung ihrer avantgardistischen Konstruktionen zu beteiligen. Innovation per Schwarmintelligenz sozusagen. Heute hat sich dieses Phänomen in der Computerbranche etabliert – man spricht dort vornehm von Beta-Versionen.
Aber zurück zu den Abschleppwagen. In Frankreich wurden oft ausgediente, kleinere Lastwagen adaptiert. Und dann gab es die entsprechenden Varianten des unendlich wandlungsfähigen Typs H – man hatte keine Hemmungen, auch hier Abschleppwagen zu wagen.
Heute sind sie selten geworden. Ob es wohl auch mal irgendwo ein Treffen für historische Abschleppwagen gibt?
Wie auch immer – zwischengas wünscht eine pannenfreie Ferienreise!


























