Was macht einen Ferrari zum Ferrari?
Die Diskussionen um den neuen Ferrari Luce zeigen, dass viele Fans der Marke aus Maranello im Luce keinen richtigen Ferrari mehr sehen.
Mit ausschliesslichem Elektroantrieb und komplett neuer Designsprache ist der neue über fünf Meter lange Wagen auch nicht einfach zu verdauen.
Umbrüche gab es aber beim Sportwagenhersteller mit dem sich aufbäumenden Pferd schon früher.
So hätte man etwa auch beim Ferrari 308 GTB oder beim 365 GT/4 BB die Nase rümpfen können, denn auch hier kam eine ziemlich neuartige Designsprache zur Anwendung. Selbst ein Ferrari 365 GTB/4 Daytona, der heute zu den beliebtesten Klassikern aus Maranello gehört, brach mit Designtraditionen.
Und einen viertürigen Ferrari gab es schon mit dem Pinin (Bild oben), wenngleich nur als Einzelstück von Pininfarina. Enzo Ferrari selber wollte ihn aber in Serie bauen! Mit dem Purosangue brachte Ferrari ein SUV auf den Markt, was auch nicht gerade der DNA des Herstellers entspricht. Immerhin ist beim Purosangue aber noch ein V12-Motor verbaut, der für Ferrari typisch ist.
Und was ist mit den Hybrid-Sportwagen neuerer Prägung, die weder ein Triebwerk, das seine Wurzeln im Rennsport hat, verwenden, noch ein Design aufweisen, wie es bei Ferrari mithilfe Pininfarina über Jahrzehnte üblich war.
Und geht ein Ferrari ohne Kulissenschaltung überhaupt? Die Verkaufserfolge der letzten Jahre bezeugen, dass die Käufer darauf verzichten können.
Sowieso sind Richtungsänderungen bei Autoherstellern eher die Regel als die Ausnahme. Maserati etwa entschied sich Ende der Fünfzigerjahren, auf strassengängige GT-Fahrzeuge zu setzen, anstatt auf Rennwagen und deren kompromisslose Abwandlungen für die Strasse. Und Mitte der Sechzigerjahre wagte man es sogar, eine viertürige Limousine zu präsentieren. Und niemand schrie, dass dies kein Maserati mehr sei.
Selbst als Porsche die Modelle Panamera und Cayenne auf den Markt brachte, hörte die Liebe zum klassischen 911 nicht auf und niemand sprach davon, dass sich Ferdinand Porsche nun im Grab umdrehen würde. Man war also einigermassen tolerant und rümpfte höchstens etwas die Nase.
Vielleicht ist auch bei Ferrari etwas mehr Toleranz angesagt? Schauen wir mal, wie sich das Geschäft um den Luce entwickelt, ob es Käufersegmente gibt, die genau diesen Wagen wollen. Vielleicht sind wir in einigen Jahren froh um den Luce, weil genau dieses Modell neue Käuferschichten anzog, die die Sportwagenmarke und ihre Erzeugnisse rettete. Schauen wir mal …
P.S. Wir finden die Diskussion um den Ferrari Luce hochspannend und freuen uns bereits auf die nächsten Meinungsäusserungen unserer Leser!

























