Räder statt Latten
Der heutige Beginn der Ski-WM in Saalbach erinnert mich an die Zeit, als ehemalige Skirennfahrer plötzlich auch im Motorsport unterwegs waren. Da gab es den Phillippe Roux im Cheetah-Sportwagen (Le-Mans-Teilnahme und CH-Meisterschaft 1979), Paris-Dakar-Sieger (2006 im Mitsubishi) und Le-Mans-Teilnehmer Luc Alphand sowie – fast schon als Autorennfahrer in Vergessenheit geraten – den erfolgreichste von allen: den Österreicher Franz Klammer (71).
Franz wurde 1976 Olympiasieger in der Abfahrt und ist bis heute mit seinen 25 Abfahrtssiegen sowie dem fünfmaligen Gewinn des Abfahrtsweltcups der erfolgreichste Athlet in dieser Disziplin. Am 15. März 1985 – also ziemlich genau vor 40 Jahren – beendete er seine aktive Karriere auf den Skiern. Doch im selben Jahr startete er in Wunstorf zu seiner zweiten Karriere, jetzt aber im Motorsport mit einer Alfetta GTV in der DPM und ab 1986 zur DTM umbenannt.
Im Team des heutigen Red-Bull-Motorsportchefs Dr. Helmut Marko (81) stand er mit Teamkollege Peter Oberndorfer, erst mit den Alfas, später dann mit Mercedes-Benz am Start von insgesamt 49 Rennen. Eine Pole Position und eine Podiumsplatzierung zieren seinen Palmares, bevor er 1988 in Hockenheim seinen Rücktritt bekanntgab.
Klammer wurde österreichischer Tourenwagenmeister und gewann nicht nur in der Tourenwagen-EM auf dem Nürburgring, sondern auch in Bathurst (Australien) – zwei Rennen die sich in ihrer Streckenführung durchaus mit der "Streif", die er viermal gewinnen konnte, vergleichen lassen.
Nach seinem "Fremdgehen" im Motorsport kehrte er in den Skisport zurück und fuhr noch bis 1998 Profiskirennen in den USA, gewann dabei zweimal das "Tournament of Champions" und sieben Titel in der Abfahrt und Parallelslalom. Dann gründete er eine eigene Stiftung, die "Klammer-Foundation", die vor allem jungen verletzten Sportlern hilft (Anlass dafür war die Querschnittlähmung seines Bruders, die dieser 1977 erlitt).
Franz Klammer ist verheiratet, hat zwei Töchter und lebt in Wien.


























