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Facel-Vega FV3 - französische Verlockung für schnelle Reisende

Erstellt am 14. Mai 2014
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Archiv 
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Was hatten der französische Existentialist und Buchautor Albert Camus und der britische Rennfahrer Stirling Moss gemeinsam? Sie fuhren beide Facel-Vega, Moss von und zur Rennstrecke, Camus in den Tod.

Im modernen Amerika hätte seine Witwe sofort den Facel-Hersteller und Unternehmer Jean C. Daninos wegen Fabrikations- oder Konstruktionsfehlern eingeklagt, doch damals vermutete man wohl einen Fahrfehler als Grund für den Unfall, der das Leben des Philosophen an einem Baum beendete.

Facel-Vega FV 3 (1957) - mit kontrastfarbigem Dach
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Daninos Vorwärtsstrategie

Daninos hatte sowieso andere Probleme Mitte der Fünfzigerjahren, denn seinem grossen Industrieunternehmen, das neben Kücheneinrichtungen, Generatoren und Motorenbestandteilen baute er vor allem auch Karosserien und in diesem Zweig drohten ihm die Kunden abzuwandern, weil sie entweder aufgekauft wurden (Ford Frankreich ging an Simca) oder den Karosseriebau selber übernahmen (Panhard).

Die grossen französischen Luxusmarken wie Delage, Hotchkiss und Delahaye gingen unter anderem an der französischen Steuergesetzgebung zugrunde, die grossvolumige Motoren bestrafte.

Facel-Vega (1954) - ein französischer Luxus-Gran-Turismo, den der Vergleich mit der Konkurrenz nicht scheuen musste
Archiv Automobil Revue

Und was tat Daninos, um seine Karosseriefirma besser auszulasten und gleichzeitig einen alten Traum zu verwirklichen? Er stellte auf dem Pariser Autosalon ein französisches Luxus-Coupé vor, das einen riesigen amerikanischen V8-Motor unter der Haube hatte.

Dritter Versuch erfolgreich

Bereits 1949 hatte Daninos erfolglos einen Bentley mit Spezialkarosserie vermarktet, der erste Prototyp sein eigenes viertüriges Auto überzeugte ebenfalls nicht und wurde nie öffentlich gezeigt. Im dritten Anlauf aber gelang ein grosser Wurf, den Daninos stolz 1954 als Facel Vega präsentierte. Das individuell geformte Coupé verfügte über vier Plätze und einen DeSoto Firedome V8-Motor mit rund 180 bis 200 PS, was für eine Spitze von 198 km/h reichte.

Facel-Vega (1956) - Mit dem Firmen-Patron J. C. Daninos
Archiv Automobil Revue
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Extravagant und luxuriös

Für das Design hatte sich Jean Daninos selber ans Zeichenbrett gestellt, die Technik überliess er Jacques Brasseur, seinem Chefingenieur. Das Ergebnis überzeugte rundum. Für das Chassis setzte man auf eine massive Rahmenkonstruktion, vorne führte man die Räder an Trapezdreieckslenkern einzeln, hinten gemeinsam an einer Starrachse. Trommelbremsen verzögerten den rund 1,6 Tonnen Wagen.

Facel-Vega (1957) - am Autosalon von Paris im Jahre 1957 - Chassis von der Seite
Archiv Automobil Revue

Von der Konkurrenz absetzen konnte sich Daninos französischer Luxus-Gran-Turismo aber nicht durch technische Feinheiten, sondern durch sein edles Interieur und das extravagante Aussehen.

Facel-Vega (1956) - edles Interieur
Archiv Automobil Revue

Im innern gab es bequeme Ledersitze und ein riesiges Armaturenbrett, das nicht etwa aus Holz bestand, sondern aus bemaltem Stahlblech. Eine umfangreiche Uhrensammlung und viele Knöpfe erinnerten ein wenig an die Flugzeuge jener Zeit.

Immer schneller

Rund 200 km/h Höchstgeschwindigkeit reichten Mitte der Fünfzigerjahre für einen Spitzenplatz an Stammtischdiskussionen, doch die Konkurrenz schlief nicht. Daninos zog nach und beschaffte sich jeweils die leistungsfähigsten Motoren aus der Chrysler-Palette. 200, 250, 340 und schliesslich 390 PS waren den immer grösseren V8-Motoren zu entlocken.

Zudem gab es nun auch Scheibenbremsen und Klimanlage sowie weitere Luxusattribute als Zubehör.

Mit dem Modell HK 500, das 1958 vorgestellt wurde, hatte man endgültig einen der schnellsten GTs überhaupt anzubieten.

Facel Vega HK500 (1961) - bei der Geschwindigkeitsmessung
Archiv Automobil Revue

Dies wurde auch von der Automobil Revue bestätigt, die 1961 mit einem HK 500 auf einer Autobahn bei Antwerpen 237 km/h erreichte. Um schnell zu fahren, musste man keineswegs ein Rennfahrer sein.

“Der Facel ist heute vielmehr der einzige Vertreter der grossen und starken Tourenwagen mit sportlichem Einschlag und überdimensionierten Motoren, wie sie vor dem Krieg unter Namen wie Hispano-Suiza, Duesenberg oder Mercedes-Benz SS geradezu legendären Ruf erhalten hatten und die weder als zweisitzige Sportfahrzeuge noch grosse Reiselimousinen, sondern als kompakt-komfortable Tourenwagen für die damals als Herrenfahrer bezeichneten anspruchsvollen Automobilisten gebaut worden waren”, schrieb die AR damals.

Dass selbst Stirling Moss zur Automatik-Version griff, die im Gegensatz zu fast allen anderen Konkurrenten weniger und nicht mehr als die handgeschaltete Variante kostete, zeigt, dass es an Kraft kaum mangelte.

“Man kann ihn fahren wie einen Amerikaner, man muss ihn nicht hetzten. Aber man kann, das ist das Schöne”, schrieb Redaktor Strepp 1958 in der Zeitschrift “Auto Motor und Sport”. Und Road & Track summierte: “Kein Wagen für den Enthusiasten, der Facel ist eher ein Luxus-Hochleistungswagen für den Mann, der gerne stressfrei weit und schnell reist.” Qualitäten, die auch die Schauspielerin Ava Gardner zu schätzen wusste, sie besass gleich drei Facel-Vega.

Zu teuer für die Kunden?

Der Facel-Vega geriet allerdings arg teuer. In den Staaten, einem wichtigen Abnahmemarkt, etwa kostete der französische Luxus-GT mehr als ein Mercedes Benz 300 SL mit Flügeltüren und mehr als das Doppelte eines Jaguar XK 140. Zwar war ein Ferrari 250 GT teurer, aber der konnte nochmals vier Zylinder mehr bieten und eine bereits eindrückliche Renngeschichte dazu.

Facel-Vega Facel II (1962) - Präsentation am Genfer Autosalon von 1962
Archiv Automobil Revue

So lief der Absatz eher schleppend und daran konnte auch die 1961 präsentierte stärkste Inkarnation Facel II nichts ändern. Trotz nachgeschärftem Styling und bis 400 PS Leistung blieb auch der letzte grosse Facel-Vega ein teures Hobby für Daninos, aber eines das er sich leisten konnte.

Das Genick brach ihm das kleine Vierzylinder-Modell Facellia, dessen Lancierungskosten und Motorenprobleme seine finanziellen Mittel auffrassen. So zerbrach schliesslich auch dieser Traum eines französischen Luxussportwagens nach etwas über 1000 Exemplaren des Facel-Vega V8.

Fast wie ein Boot

Facel-Vega FV 3 (1957) - an der weit hineinragenden Panorama-Windschutzscheibe schlägt man sich gerne das Knie an
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Wer zum ersten Mal im Facel-Vega Platz nimmt, fühlt sich an ein nobles Motorboot erinnert. Die riesige Panorama-Windschutzscheibe, das grossflächige Armaturenbrett, das stark geschüsselte Lenkrad, die Absenz eines Schalthebels, all dies macht den Facel speziell. Und der nautische Eindruck endet auch nicht, wenn der Motor per Zündschlüssel gestartet wird. Es erklingt ein sonores V8-Gemurmel, das draussen deutlich, drinnen gedämpft wahrgenommen wird.

Facel-Vega FV 3 (1957) - die Automatik wird per Drucktasten bedient
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Mit Drucktasten wird die Wandlerautomatik auf Vortrieb geschaltet und nach einem vorsichtigen Gasstoss hebt sich der Wagen aus den Federn und nimmt Fahrt auf, genau wie dies ein Riva Holzboot im Wasser tun würde.

Facel-Vega FV 3 (1957) - auch Ringo Starr fuhr einen Facel, Ava Gardner hatte drei davon
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Facel-Vega ist kein Rennwagen, alles fühlt sich weich an, auch wenn schon wegen der möglichen Fahrleistungen kein sänftenartigen Federungskomfort erwartet werden darf.  Die Lenkung ist indirekt ausgelegt, der Wandler entkoppelt den Motor wirkungsvoll von der Antriebsachse. Erstaunlich viel Kraftaufwand sind für die Betätigung von Gas- und Bremspedal nötig.

Eindrücklicher Auftritt

Bis heute behielt der Facel-Vega seine Ausnahmestellung, kein anderes Auto gleicht dem französischen Luxus-Tourer. Daninos Design hebt sich wohltuend von den anderen Komfort-GTs der Fünfziger- und Sechzigerjahre ab. Und man kann sich an den Details kaum sattsehen, so etwa an den speziell geformten Heckleuchten, die das Vega-”V” zeigen, oder am pfostenlosen Übergang der Seitenscheiben.

Facel-Vega FV 3 (1957) - nicht bündige Seitenscheiben
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Für seine Zeit war der Facel gross, mit 4,6 Metern Länge und fast 1,8 Metern Breite überragte er die meisten seiner Konkurrenten. Für die engen Pariser Parkhäuser muss der doch recht unübersichtliche Facel ein unangenehmes Auto gewesen sein, aber wer sich einen der rund 45’000 DM oder Franken teuren Luxusgleiter kaufen konnte, den kümmerten enge Parkplätze wohl nur am Rande.

Und dass inzwischen auch die Oldtimer-Enthusiasten zunehmend am französischen Ausnahme-GT Gefallen finden, zeigt sich an den stetig steigenden sechsstelligen Preisen.

Modellübersicht Facel-Vega V8 Coupé/Cabriolet

Modell Gebaut Exemplare Hubraum l PS Motor kg Länge mm Breite mm
Facel Vega FV 1954-1955 10 4.5 180 DeSoto Hemi V8 1690 4570 1760
Facel Vega FV-1 1955 33 4.8 200 DeSoto Hemi V8 1690 4570 1760
Facel Vega FV-2 1955-1956 31 4.8 200 DeSoto Hemi V8 1660 4570 1760
Facel Vega FV-2b 1955-1956 74 5.4 250 DeSoto Hemi V8 1660 4570 1760
Facel Vega FV-3 1956-1957 46 4.5 200 Chrysler V8 1660 4570 1760
Facel Vega FV-3b 1957-1958 92 4.9 253 Chrysler V8 1660 4590 1800
Facel Vega FV-4 5.8 1957-1958 36 5.8 340 Chrysler V8 1750 4590 1800
Facel Vega FV-4 6.4 1957-1958 30 6.4 375 Chrysler V8 1750 4590 1800
Facel-Vega HK-500 (HK1) 1958-1961 490 5.9 360 Chrysler V8 1660 4590 1800
Facel-Vega HK-500 (HK1) 1958-1961   6.3 390 Chrysler V8 1660 4590 1800
Facel-Vega Facel II (HK2) 1961-1964 184 6.3 390 Chrysler V8 1660 4750 1800
Facel-Vega Facel II (HK2) 1961-1964   6.8 400 Chrysler V8 1660 4750 1800


Der für diesen Bericht portraitierte Facel-Vega FV 3 von 1957 wird uns dankenswerterweise von der Oldtimer Galerie Toffen  zur Verfügung gestellt. 

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von ma******
01.06.2014 (21:47)
Antworten
J. Daninos hatte in Klosters ein Haus. Ich bin in Klosters aufgewachsen, wir wussten alle wer Daninos ist, und dass die Facel von ihm stammten.
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