Es war einmal ... die Willkür
Einen Neuwagen genau nach den eigenen Wünschen auszustatten, ist gar nicht mehr so einfach. Viel zu oft werden Sonderausstattungen nur noch in Paketen angeboten – oder sind an den Dazukauf von anderen Paketen gebunden. So verweigerte der Konfigurator von Mercedes-Benz just die Kombination von Chromzierleisten und Scheiben ohne Tönung. Wahrscheinlich, weil das Auto sonst zu hell und freundlich aussähe. Wer klare Seitenfenster will, hat auch schwarze Zierleisten zu wollen. Wer Chromglanz wünscht, muss schwarze Fenster in Kauf nehmen.
Umso mehr freut mich die völlige Wahlfreiheit, die vor knapp 40 Jahren noch in Stuttgart herrschte. Der Erstbesitzer meines 300 TE (Symbolbild, da kein passendes Bild vorhanden) orderte 1987 neben dem Wegfall der Typenbezeichnung auf dem Heckdeckel genau drei Zusatz-Ausstattungen: Aussentemperaturanzeige, Sitzheizung und die umschaltbare Zweiklang-Fanfare mit extralautem Ton – eine recht willkürliche Kombination, die heute höchstwahrscheinlich den Kauf eines Winter-, eines Komfort- und eines Sicherheits-Pakets voraussetzen würde.
Während mit heutigen Paketen oft viel ungenutztes mitgekauft wird, lässt sich anhand dieser sehr persönlichen Konfiguration wunderbar über den Erstbesitzer spekulieren. Was war das für ein Mensch, der sich den dicksten lieferbaren Motor, aber kaum Luxus gönnte? Ein Meteorologe mit kälteempfindlichem Hinterteil, der überwiegend auf stark wildbewechselten Landstraßen unterwegs gewesen ist? Oder einfach ein sehr auf Sicherheit bedachter Mensch, der nichts so sehr fürchtet wie Glätte und gerne besonders gut gehört werden will?
Vor allem aber macht die skurrile Zusammenstellung der Extras meinen Benz einzigartig, genauso wie viele andere W 124 auch, deren Käufer sich in der völligen Freiheit der Ausstattungsauswahl verwirklichen konnten. Diese Individualität macht alte Autos zu Autos mit Persönlichkeit – und sei es nur die des Erstbesitzers.


























