(Un)vergessene Filmautos: der Mercer Raceabout aus "Aristocats"
"Jeden könnt' ich vergessen. Den nicht." – Butler Edgar bringt es auf den Punkt, als ihn Hausherrin Adelaide Bonfamille an den nahenden Besuch ihres Anwalts Georges Hautecourt erinnert. Wer einmal erlebt hat, wie der alternde Jurist – der laut eigener Aussage mit 80 noch Bäume ausreissen konnte – in seinem gelben Mercer Racebout vorfährt und dabei gut gelaunt eine sehr freie Vokalise von La donna è mobile trällert, wird sich noch lange daran erinnern.
Strenggenommen ist der gelbe Roadster mit Baujahr 1913 sogar ein bisschen zu jung für den Film, spielt der doch im Jahre 1910. Auch nach Paris dürften sich nur sehr wenige Exemplare des amerikanischen Supersportwagens verirrt haben. Doch das wird man bei Disney nicht so eng gesehen haben. Wichtiger war der Wiedererkennungswert, den der Mercer als eine der ersten Rennsportberühmtheiten hatte. Der hatte ihm auch schon früh einen Platz in der "Yesteryear"-Serie von Matchbox verschafft.
Das Knattern und Klappern der Fuhre im Zeichentrickfilm soll indes mehr eine Verbindung zu seinem gebrechlichen Fahrer schaffen als historische Tatsachen abbilden. Denn tatsächlich war der Mercer war ein hervorragend gebautes Auto, das mühelos eine Geschwindigkeit von 70 Meilen pro Stunde halten konnte. Mit 59 PS aus seinem 4,9-Liter-Vierzylinder und einer Spitzengeschwindigkeit von bis zu 90 Meilen pro Stunde zählte er zu den schnellsten seiner Zeit.
Kaum 30 Sekunden ist das einzige Auto mit realem Vorbild in "Aristocats" zu sehen. Trotzdem ist die Szene in der Erinnerung einstiger Kinogänger präsent wie kaum eine andere. Und jedes Mal, wenn der Blick auf den gelben Matchbox-Mercer in der heimischen Vitrine fällt, fängt es auch in meinem Hinterkopf an zu singen: "Da da da bumm-di-hää!" – Jeden könnt' ich vergessen. Den nicht.


























