Restauration eines Jaguar SS 100 im Jahre 1957

Bruno von Rotz
28.11.2010

Restaurationsberichte und -geschichten sind heute etwas alltägliches, die Oldtimer-Magazine sind voll davon. Vor über 50 Jahren aber war das Restaurieren von Autos noch nicht "en vogue" und die Umstände dafür waren wesentlich komplizierter, das Vorhaben aufwändiger. In der Automobil-Revue Nr. 8 vom 27. Februar 1957 wurde über die Restauration eines Jaguar SS-100 berichtet.

Jaguar SS 100 im Jahre 1957 neu restauriert

Folgender Abschnitt zeugt von den Herausforderungen:
".. Es war nicht leicht, dieses in Genf verwahrloste Fahrzeug wieder in einen auch nur einigermassen brauchbaren Zustand zu bringen, denn es fehlten praktisch alle Einzelteile, und lediglich einem Zufall war es zu verdanken, dass ein Ersatzmotor gefunden werden konnte. Die Flügelmuttern der Speichenräder mussten beispielsweise «aus dem Vollen gedreht» werden; die beiden Autoliebhaber liessen es sich nicht nehmen, die fertig bearbeiteten Stücke in die Fabrik zu senden, um dort das Jaguar-Zeichen aufprägen zu lassen. Die Werke in Coventry standen übrigens dem Projekt sehr freundlich gegenüber und sandten unter anderem Zeichnungen des Armaturenbrettes, damit ein solches hergestellt werden konnte. .. "

Auch nett zu lesen ist folgender Kommentar:
" .. Rasch vergeht die Zeit, und viele Sportbegeisterte, die heute mit ihren schnittigen Coupes in behaglicher, bestens geheizter Atmosphäre durch die Gegend fahren, sind noch nie in einem solchen Wagen gesessen, geschweige denn, dass sie ihn je erlebt hätten. Um so erfreulicher ist es dass es noch junge Leute gibt, die hochmoderne Fahrzeuge, wie etwa einen Porsche-Spider, ihr eigen nennen und trotzdem an Fahrzeugen Freude haben, die in unserer schnellebigen Zeit bereits der Geschichte angehören, obwohl ihr Geburtstag nur 20 Jahre zurückliegt. .. "

Heute sind wir uns ja gewöhnt, dass Ersatzteile breit verfügbar, via Internet bestellt und nach Hause geliefert werden können. Zudem haben wir ein fast unerschöpfliches Repertoire an Informationen zur Verfügung, in Form von Büchern, Zeitschriften und dem Internet. 1957 war das alles noch ziemlich anders. Kein Wunder, gab zum Beispiele die Karosserieform, die mit speziellen Kotflügeln ohne Trittbrett zu denken.

Am Schluss noch ein kleiner Ausschnitt zum Thema Fahren:
"... An das Getriebe gewöhnt man sich rasch; es muss im Heraufschalten mit Zwischenkuppeln bedient werden und verlangt natürlich beim Zurückschalten eingermassen genau dosiertes Zwischengas ..."

Archivierte Einträge:

von di******
05.09.2013 (08:46)
Antworten
Es ist erstaunlich was da auf diesem Gebiet für Fantasien walten und grob gesagt welch ein "Quatsch" dabei herauskommt. Diesen Typ 100 habe ich 1956 von Herrn Waldner - einem lokalen bekannten Bener Rennfahrer in gutem Zustand gekauft. Auf dem Foto trägt der Wagen noch meine seinerzeitige BE-Nummer! Abändern lassen habe ich die Kotflügel bei Hermann Graber in Wichterach und die Polster nach eigenen Angaben bei Herrn Von Gunten in Bern. Das Armaturenbrett habe ich eigenhändig mit "Holzstruktur" versehen und mit den weissen SS-1 Insrumenten versehen. Mechanisch war - und ist immernoch - alles in bestem Zustand, ausser dass das Differenzialgeriebe kürzlich repariert werden musste was mir Herr Marti, dem der Typ 100 heute gehört, bestätigt.Verkauft habe ich den Wagen wohl nach Genf, aber in bestem Allgemeinzustand Zustand und nichts wurde seither geändert. (Auch die beiden Lammfell-unterlegten Lederriemen über die Motorhaube habeich selbst angebracht) Also definitiv weder neuer Motor noch sonstige aufwendigen fantasievollen Restaurationen.
Dieter Marx, Breitenbach
Antwort vom Zwischengas Team (Chefredaktor)
05.09.2013 (08:57)
Lieber Herr Marx, die Aussagen im von Ihnen kommentierten Blog stammen alle aus einer Nummer der Automobil Revue aus dem Jahr 1957. Wenn also einige davon den Fantasien des damaligen Verfassers entsprungen sind, war das halt eben vor fast 60 Jahren schon so. Auf jeden Fall aber freuen wir uns, dass soviele Jahre später noch Ergänzungen zu den damaligen Äusserungen gemacht werden.
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