Nein. Einfach nein!
"Die Stiftung PS.Speicher versteht sich als Bewahrerin automobiler Kulturgeschichte. Deshalb sind Schenkungen wie dieser außergewöhnliche Ford Mustang GTE aus dem Jahr 1968 von unschätzbarem Wert." So steht es in der Pressemitteilung.
Ist es Mut? Offenheit? Oder Provokation? Der PS Speicher in Einbeck, Europas grösstes Oldtimer- und Erlebnismuseum, hat einen Ford Mustang GTE geschenkt bekommen. GTE? Den gab es nie, in diesem Fall handelt es sich um ein auf E-Antrieb umgerüstet-restauriertes '68er Mustang Coupé. So weit so gut. Oder schlecht, je nach Standpunkt.
Irritierend ist schon, was hier bewahrt wird. Denn es wurde ein echter Mustang nicht bewahrt, sondern als Kulturgut zerstört. Wollte man hintersinnig werden, könnte man argumentieren, durch den Umbau sei neues Kulturgut entstanden. Aber mit Bewahren hat das nichts zu tun.
Dazu passt die Feststellung: "Der Ford Mustang GTE … macht sichtbar, wie technische Innovationen auf historisches Kulturgut treffen und welche neuen Wege daraus entstehen können.“ Ernsthaft? Dass die Welt künftig elektrisch fahren will, ist ja in Ordnung. Aber auf dem Altar des Fortschritts muss man kein altes Kulturgut opfern. Das kann ja nicht der neue Weg sein: Übermalen wir die Mona Lisa, weil es jetzt lösemittelfreie Farben gibt? Sicher nicht.
Das Museum spricht auch davon, dass der PS Speicher die Geschichte der Mobilität erzählt. Dazu gehörten nicht nur die Anfänge des Automobils, sondern auch die Fragen, die uns heute bewegen. Wobei vermutlich niemand davon bewegt ist, seinen Oldtimer umzubauen und das H-Kennzeichen abzuschrauben. Aber dass moderne Mobilität gezeigt wird, dagegen wird sicher niemand Einwände haben.
Aber dann folgt der verhängnisvolle Satz, der offenlegt, dass sie es erstens ernst meinen mit solcher Kultur-Schändung. Und zweitens nicht verstanden haben, was es beutetet: "Der Mustang GTE zeigt, dass sich Vergangenheit und Zukunft nicht zwangsläufig ausschließen müssen. … für die anderen eröffnet die Elektromobilität neue Möglichkeiten, historische Fahrzeuge langfristig nutzbar zu halten.“
Schreien möchte man. Historische Fahrzeuge sind nur historisch, wenn sie bleiben, wie sie sind. Und nutzbar bleiben sie, denn wir haben Oldtimer-Regelungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Sie dürfen genau so langfristig genutzt werden. Und NUR so. Es braucht keine neue Möglichkeit. Und es IST keine neue Möglichkeit, ihnen das Herz rauszureissen und einen elektrischen Schrittmacher einzupflanzen. Wer immer die "anderen" sein sollen, sie haben nichts, aber auch gar nichts mit den Bewahrern automobiler Kulturgeschichte zu tun.
Also, liebe Einbecker. geht in euch. Sammelt zur Mobilität, was ihr wollt. Bewahrt, was immer ihr darunter versteht. Aber sprecht nicht davon, dass ein Elektromotor ein historisches Fahrzeug auch künftig fahren lässt. Das konnte es schon, nachdem es das Werk als Verbrenner verlassen hat, das kann es heute noch und das soll morgen auch so bleiben.


























