Liebe Alfisti, es bleibt gruselig!
Es gibt nur wenige Marken, die auf ein so reiches Erbe wie Alfa Romeo zurückblicken können. Erster Weltmeister im Automobilrennsport, einzigartiges Design, sensationelle Motoren, es gibt vieles, auf das man stolz sein kann. Sollte. Nicht mal der Verkauf an Fiat 1986 bedeutete den Ruin, der folgte eher schleichend nach 2000 mit der Degradierung des Centro Stile und dem Totengräber Sergio Marchionne. Nach dem 100. Geburtstag 2010 wurde die Luft dann immer dünner. Wie ein Faustschlag wirkt es jedesmal, wenn man eine Pressemitteilung bekommt – aus Rüsselsheim! Nicht Mailand oder wenigstens Turin, nein, Rüsselsheim, Sitz des Stellantis-Presseverteilers. Inbegriff von Opel und hessischer Provinz in Reinstform. Dieser Tage mit Erklärungen zu den Investor Days, die mehr Fragen aufwarfen als beantworteten. Und die dann in nur wenigen Zeilen das ganze Elend um die berühmte Marke zeigten.
So heisst es: «Alfa Romeo … will das Produkt zukünftig noch mehr in den Mittelpunkt jeder Entscheidung stellen.» Es geht bei Alfa also noch mehr um Autos. Das ist so banal und so sehr eine Binsenweisheit, das man sich fragt, ob man das den Investoren wirklich so sagen muss, bevor noch einer denkt, man produziere rote Holzkreuze oder grüne Schlangen. Derzeit stütze sich die Modellpalette auf «starke» Säulen: den Junior, den Tonale, Giulia und Stelvio sowie den 33 Stradale. Zwei kleine SUV, zwei völlig überalterte Modelle und ein Retro-Kleinstserienexemplar. Man müsste lachen, wenn es nicht so tragisch wäre.
Die Limousine Giulia, seit 2015 im Programm, und das grosse SUV Stelvio, seit 2017, haben ihre Blütezeit schon lange hinter sich. In immer neuen Sonderversionen der Quadrifoglio-Versionen fristen sie ihr Dasein und «widerspiegeln einen pragmatischen Ansatz, der kontinuierlich den zukünftigen Übergang, die Kundenerwartungen und das Markenerbe ausbalanciert». Pragmatismus statt Emotionen. Da wird es fast zum Hohn, wenn es heisst: «Mit Blick auf die Zukunft wird Alfa Romeo die globalen Möglichkeiten von Stellantis nutzen …, um weiterhin authentische Alfa Romeos zu entwickeln und die einzigartige und ikonische Positionierung der Marke weiter zu stärken.» Authentisch waren SUV noch nie für Alfa, man baut sie erst seit knapp 10 Jahren.
Der sogenannte Fastlane-2030-Plan lässt ebenfalls nichts Gutes erwarten: Es soll ein neues SUV im C-Segment (Kompaktklasse) geben, wo schon der Tonale stagniert, also mehr vom Gleichen. Dazu ein Hatchback, den man sich als Golf-Gegner vorstellen muss. Ein Experiment, das schon mit 147 und Giulietta gescheitert ist. Und ein neues Retro-Modell der Bottegafuoriserie, das zwar Kundenbindung verspricht, aber wegen seiner zu erwartenden Stückzahl nur ein Aushängeschild ist. Fazit: Trotz aller Ankündigungen seit zehn Jahren wird Alfa bis 2030 nicht zu alter Blüte und Stärke zurückkehren. Alte Modelle werden mangels Alternative weiter gebaut, die SUV-Flotte vergrössert und ein bisschen Markenimage mit Kleinserien betrieben. Alfisti müssen sich weiter mit ihren Traditionsmodellen begnügen und schöne Neuwagen anderswo kaufen. Die «ikonische Positionierung» der Marke findet nur noch auf Oldtimermessen statt.


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