Der damalige Blick nach vorne
Vielleicht scheint es aus heutiger Perspektive einfacher. Vielleicht war es das damals auch, als sich Anfang der 1950er-Jahre die Bündner Sektion des Automobil Clubs der Schweiz dazu entschloss, ein Autorennen von Tiefencastel auf die Lenzerheide zu organisieren.
Regierungsräte wurden eingebunden, Tourismusdirektoren, Männer von Rang und Namen setzten sich zusammen und stellten ein Programm auf die Beine. Am 26. August 1951 war es soweit. Wagen der Kategorien „Serienmässige Tourenwagen“, „Spezialtourenwagen“, „Serienmässige Sportwagen“, „Rennsportwagen“ und „Rennwagen“ standen am Start. Bedeutende Namen des Schweizer Rennsports fanden sich auf der Startliste: Emmanuel "Tulo" de Graffenried, Rudolf Fischer, Willy Peter Daetwyler oder Albert "Bätsch“ Scherrer. Mancher Amateur liess es sich nicht nehmen, mit seinem normalen Familienauto daran teilzunehmen.
"Quax" auf Lancia Aprilia
"Bätsch“ gewann mit seinem Aluminium-Jaguar XK120 – demselben Auto, mit dem er etwas früher in diesem Jahr bereits den Grossen Preis von Bremgarten gewonnen hatte – das Sportwagenrennen am Samstag vor dem Grand Prix der Schweiz auf dem alten Bremgartenring in Bern.
Finanziell war das Rennen wohl nicht ganz so erfolgreich, wie es aus sportlicher Sicht gewesen war. Aus diesem Grund dauerte es bis 1957, ehe die Strecke erneut befahren wurde – dieses Mal als Lauf zur Europa-Bergmeisterschaft.
An diesem Wochenende, vom 29. bis 31. Mai 2026, rennen die Automobile erneut auf der Lenzerheide. Nicht den Berg hinauf, sondern auf einem Rundkurs. Dass dies in einem Tourismus- und Bergdorf möglich ist, grenzt beinahe an ein Wunder.
Worum es mir in diesem Blog aber geht, ist der Optimismus, die Zuversicht und der Tatendrang, mit denen man es in den 1950er-Jahren schaffte, Dinge auf die Beine zu stellen. Das Automobil – obwohl es in Graubünden bis 1925 verboten gewesen war – wurde als etwas Positives betrachtet. Es brachte Menschen in die Täler, Gäste, Reisende und damit Geld. Und es brachte ebenso Menschen aus den Tälern hinaus in die Welt, hinunter in die Hauptstadt Chur, zur Arbeit und zu einer Perspektive. Anfang der 1950er-Jahre war die Abwanderung aus den Berggebieten noch ein ernstes Thema, die strukturellen Schwächen offensichtlich.
Wenn also wieder die Motoren über den See auf der Lenzerheide dröhnen, mag es zwischen all der Action, dem Herzklopfen und der Freude einen Moment geben, in dem man sich daran erinnern darf, dass das Auto einst nicht nur als Heilsbringer gesehen wurde, sondern dass es dies tatsächlich auch war.


























