Panik, ein Lichtlein brennt!
Die Briten und Amerikaner nennen sie beim Namen: "Idiot Lights" – Idiotenlampen. Es ist mitunter wirklich so, dass man sich wie ein ebensolcher fühlt, wenn einem wieder einmal am Armaturenbrett ein Lichtlein aufgeht. Besonders lustig ist dies, wenn da, wo es zu leuchten beginnt, bisher einfach eine schwarze Fläche zu sehen war – keinelei Vorwarnung, dass einem da irgendwann etwas angezeigt werden könnte, das von Bedeutung ist. Gewiss, beim Einschalten der Zündung leuuchtet kurz der ganze Christbaum, aber wer geht schon durch jedes leuchtende Symbol durch und reflektiert dessen mögliche Bedeutung, sollte es einem einmal als Solitär wieder begegnen? Es leuchtet kurz, es geht aus – idealerweise alles – und gut ist's. Punkt-Ende.
Doch eines Tages passiert es: Etwas leuchtet, ein Grund zur Panik! Bei gewissen Autos mag dies so sein, fehlt beispielsweise der Öldruck, dann fehlt er vermutlich wirklich und es gibt allen Grund, anzuhalten und der Sache nachzugehen. Dasselbe gilt, wenn es eine Kontrollanzeige für den Bremsflüssigkeitsstand gibt und sich diese, selbst nur zeitweilig, zu Wort meldet. Nicht gut!
Neulich leuchtete bei meinem Jaguar aber die "Oxygen Sensor"-Leuchte auf. Alles andere hat in der jüngeren Vergangenheit eitel Freude verbreitet und ich habe auch einiges an Effort für das Auto gegeben, um es – wie es ein Kollege nennt – "auszuseuchen". 14 Jahre Stilstand sind wirklich keine gute Idee für ein Auto. Doch dann diese Leuchte, der Sensor: die Lambdasonde? Ein Defekt! Ich fürchtete, die Einspritzung würde nun einen Blödsinn regeln und das Gemisch zu fett oder zu mager werden lassen. Und dass ich mir den Motor, den Katalysator oder alles zusammen ruinieren werde. Sollte ich also weiterfahren oder sofort den Pannenservice holen lassen?
Ein Nachschlagen im Betriebshandbuch verriet mir nur, dass ich, sollte die Lampe leuchten, die "Unit", also die Sonde wechseln solle. Frei nach dem Motto: Leuchtet die Motorlampe, dann diesen bitte austauschen. Also: Quatsch! Etwas Recherche und Nachlesen in verschiedenen Foren aber förderte viel Beruhigendes zu Tage. Diese Leuchte ist nicht mit der (respektive den, es sind zwei beim V12) Lambdasonde verbunden! Woher weiss also diese Leuchte, wann sie zu brennen beginnen soll? Die Antwort liefert die Tatsache, dass der Kilometerzäher mit ihr verbunden ist.
Die "Oxygen Sensor"-Leuchte ist damit im Prinzip eine Wartungsanzeige und diese ist nicht technisch motiviert – selbst Jaguar vertraut darauf, dass ihre Abgasaufbereitung einigermassen wartungsfrei ist – sondern die Leuchte entspricht einer Anforderung des amerikanischen Gesetzgebers. Mein Auto ist zwar eine Kanada-Version, so gibt es beispielsweise eine elektrische Motorheizung (leider nur für 110 Volt), aber die Leuchte gibt es hier genauso. Sie soll zu einer regelmässigen Wartung motivieren. Ihr Zweck: Panik erzeugen! Sie leuchtet alle 40'000 Meilen und will suggerieren, dass es teuer sein könnte, sie zu ignorieren. Das tönt alles etwas absurd, denn nach dem Verständnis normaler Autointeressierter steht einfach entsprechend der vergangenen Zeit oder der gefahrenen Distanz regelmässig eine Wartung an. Deswegen braucht mich niemand zu erschrecken! Und mir mit einem Defekt zu drohen, wo gar keiner ist, das finde ich reichlich uncool! Schlimmer noch, die besagte Leuchte könnte im Fall der Fälle einen ebensolchen gar nicht erkennen geschweige denn anzeigen. Sorry Mate!
Zum Glück gibt es hinter der ruckwärtigen Kofferraumverkleidung einen Reset-Knopf.

































