Irgendwie schief!
Da hat der Rover 2000TC ein schief eingebautes Radio und den Aufkleber des modernen Batterieherstellers im Motorenraum. Dass es diesen Rover überhaupt gibt – finde einen, selbst im Vereinigten Königreich steht die Urversion des P6 nicht mehr an jeder Ecke – war uns schon Anlass genug, den Wagen zu porträtieren. Welch eine Freude, das erste «European Car of the Year» von 1964 auch zu fahren und diese Freude in Form eines Beitrages zu teilen!
Mir sind schiefe Radios und olle Aufkleber in Autos herzlich egal, wenn der Besitzer eine gute Seele und sein Wagen Charakter hat, selten ist und überhaupt, wie der Rover als Brite aus der Masse heraussticht. Ob nun ein schiefes Radio wirklich den Wert eines «technischen Denkmals» erheblich schmälert? Bisher dachte ich, die Zeche Zollverein, die Albula-Linie der Räthischen Bahn oder der Suez-Kanal seien ein technisches Denkmal.
Einen Rover P6 verstehe ich als rollendes Kulturgut und dies mit seiner gesamten, kumulierten Geschichte bis hin zu dem Umstand, dass ihm irgend einer seiner Besitzer, es kann auch der aktuelle sein, ein Radio eingebaut hat. Schief oder gerade, er wird dazu seine Gründe gehabt haben.
Ich kann mich erinnern, wie ich zum ersten – und letzten – Mal an ein Treffen für Citroën DS gefahren bin. Das war vor 30 Jahren. Kaum angekommen, marschierte ein Experte in meine Richtung. Statt sich zu freuen, dass ein damals 25 jähriger sich für ein fast ebenso altes Auto interessierte, monierte er den Umstand, dass meine 1973er DS 23IE Pallas mit Chromstahl-umrandeten, vorderen Blinkern und ebensolchen Scheinwerferumrandungen daher kam. Dafür fehlten den feinen Rahmen die entsprechenden Schlösschen, die Verbinder, die verhindern dass die Enden irgendwann aufstehen. Ich vermute, diese wurden wegen den Bürsten der Waschstrassen angebracht. Mit geschwellter Brust von meinem Gegenüber vorgetragen, musste ich mir anhören, wie mein Auto da und dort nicht original sei und wie er, der Herr Experte, sein Wagen für viel-viel Geld habe restaurieren lassen.
Ein Verbindungsstück kaschiert die Fuge des Rähmchens um das Scheinwerferglas
Ich kann mich ebenso gut noch erinnern, dass ich keinerlei Lust verspürte, mir sein tolles Auto anzusehen. Ich erwähnte nur, dass ich eben erst höchstselbst ein Motorlager an meiner Göttin gewechselt hätte, natürlich jenes auf der Seite wo sich das Drehmoment gegen den Rahmenausleger abstützt, rechts irgendwo unter dem Auspuffkrümmer. Dann erwähnte ich, dass ich mir die Chromstahlrahmen der Scheinwerfer für teures Geld als NOS besorgt hätte, weil mir die grauen Plastikumrandungen nicht gefielen, diese im UV-Licht spröde würden und bei den originalen Blinkern der von hinten bedampfte Chrom nach wenigen Jahren abblättere. Darum hätte ich letztere aus Chromstahl, soweit ich damals wusste nur ganz zu Beginn der modellgepflegten DS ab 1967 verbaut, mit Handkuss als Neuteile von meinem Vertragshändler entgegengenommen – für umsonst! «Nimm die mit, braucht ausser Dir eh keiner mehr…»
Und die Verbinderchen, die sehen aus wie kleine Tränen, wie ich damals dachte. Ein Fremdkörper, ich mochte sie einfach nicht und habe sie bewusst weggelassen.
Natürlich bin ich nicht gefeit von einer gewissen Ablehnung gegenüber den «Machenschaften» und Freveln anderer Oldtimerbesitzer. Wie hier schon einmal beschrieben, finde ich Orientteppiche im Auto fürchterlich und Weisswandreifen bei Youngtimern sind ein Witz. Aber am schlimmsten an jedem Oldtimertreffen sind Leute, die anderer Leute Autos madig machen. Darum halte ich – normalerweise, hier nun nicht – einfach die Klappe.
Bei schwere Fällen hilft mir jeweils die Suche nach etwas Liebe für den Frevler, Anerkennung dafür, dass sein Auto überhaupt noch existiert und fährt und die Schärfung des Bewusstseins dafür, dass es für alles einen Grund geben könnte. Oh, das habe ich noch vergessen: Der Studebaker meiner Tochter hat vordere GFK-Kotflügel und ein zu kleines Reifenformat! Was für ein Frevel!


























