Vielleicht sind "Restomods" doch etwas Gutes?
Als Klassiker-Enthusiast und Fan gepflegter Originalität ist man für sogenannte “Restomods” ja eigentlich nicht wirklich aufgeschlossen. Darunter versteht man üblicherweise umfassend verbesserte Klassiker, die oftmals die Gestalt ihrer Vorgänger annehmen. Bekannteste Beispiele sind die Porsche-911-Varianten von Singer oder die verbesserten Alfas von Alfaholics.
Neulich bin ich über den “Lotus Esprit S1” der Firma Encor gestolpert. Das Auto sieht von aussen wirklich fast komplett wie ein S1 aus, entsteht aber auf der Basis eines deutlich späteren Achtzylinder-Esprits der Epoche 1996 bis 2004. In der Firma Encor arbeiten ehemalige (oder aktuelle?) Lotus-Mitarbeiter, die einfach lieber den klassischen Lotus Esprit aufleben lassen als sich mit den heutigen 3-Tonnen-Elektro-SUVs der Marke zu beschäftigen.
Dass die Encor-Leute Enthusiasten sind, kann man schon daran sehen, wie sie mit modernen Mittel die Atmosphäre des alten Esprits aufleben lassen.
Billig ist das Vergnügen allerdings nicht, eine halbe Million sollte man schon auf dem Konto haben, wenn man sich einen modernisierten Esprit S1 zulegen möchte. Und einen “Donor Car”, also ein Spenderfahrzeug muss man auch noch gleich mitliefern.
Damit kommen wir zur Crux an der Geschichte. Wenn für einen Singer-Porsche oder eben für einen Encor-Lotus ein Porsche 964 oder ein Lotus Esprit V8 sein Leben lassen muss, wird ja Originalsubstanz zerstört. Allerdings dürften gerade diese Autos oft nicht wirtschaftlich restaurierbar sein, nur um nachher wieder einmal als (restaurierter) Porsche 964 oder Lotus Esprit V8 verkauft zu werden. Vielleicht würden sonst diese Autos, die man nicht zuletzt ja auch der Chassisnummer wegen benötigt, ja entsorgt. So aber werden sie mindestens in Teilen gerettet. Und sie verschaffen einem Sportwagen-Enthusiasten, der sich das leisten kann, Fahrfreude pur. Und bringen ihn vielleicht dazu, auch originale Sportwagen vergangener Jahrzehnte zu schätzen und zu sammeln? Dann hätte dieser Restomod ja Gutes bewirkt.
Ähnliches gilt natürlich auch für den gerade letzthin aufgetauchten NSX Restomod von Tensei, der allerdings etwas anders gelagert ist.
Restomods sind definitiv im Trend und sie verschaffen wohl auch vielen kleinen Enthusiasten-Firmen Kunden und Umsatz. Und für diese Firmen wäre es natürlich unmöglich, komplett neue zulassungsfähige Sportwagen zu homologieren, obwohl sie sicher in der Lage wären, solche zu bauen. Schade eigentlich. Das war in den Sechzigerjahren halt noch ganz anders.


























