Unterschätze niemals die Macht des Saftes!
Steve McQueen ist an allem schuld! Nicht die Siege in Le Mans 1968 und 1969, erst der gleichnamige Kinofilm hat das Farbschema von Gulf Oil (eigentlich ist es ja das von J. W. Automotive) ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Kaum etwas im Oldtimerkosmos steht so sehr für Geschwindigkeit und Verwegenheit wie der "Pistensaft". Was Gulf trägt, ist schnell. Wer Gulf trägt, ist cool.
Und so hofft jeder Hausfrauenporsche, dass ein bisschen 917; jeder Sonntagsfahrer, dass ein bisschen Michael Delaney auf ihn abfärbt. Die Zubehörindustrie hat die Markenmacht erkannt und gehypnosaftet, was das Zeug hielt. Längst gibt es auf Oldtimermessen nicht mehr nur Jacken und Mützen. Selbst Dinge, die nicht im Entferntesten etwas mit Autos oder Motorsport zu tun haben, tragen heute Hellblau und Orange:
- Gulf Oil, das T-Shirt
- Gulf Oil, das Buch zum Ausmalen
- Gulf Oil, das Lunchpaket
- Gulf Oil, die Müsliflocken
- Gulf Oil, der Flammenwerfer
Schön für die, die es mögen, sicher. Aber Sie wissen ja: Jeder Saft hat zwei Seiten. Denn die Sache hat einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt: Banalisierung durch Überpräsenz. Inzwischen hat sich der McQueen-Gulf-Kult längst in sein eigenes Klischee verwandelt. Oder glaubt hier wirklich jemand, dass Kühlschrank, Werkstattwagen und Tischkicker bei J. W. Automotive einst genau so lackiert waren wie die Rennwagen?
Fast könnte man glauben, dass der Saft aus der Gulf-Zapfpistole eine Art Zaubertrank war. Dabei hat der Mineralölkonzern einst in seinen Anzeigen selbst darum gebeten, den Ball flach zu halten: "Eigentlich nicht leistungsfähiger als andere Markenkraftstoffe". Aber seit wann stimmt schon, was die Werbung behauptet? In diesem Sinne: Möge der Saft mit euch sein!


























