El Morocco – Der Chevillac
Es gibt Dinge, die sehen teurer aus, als sie sind. Es gibt auch Dinge, die teurer sind, als sie aussehen. Und dann gibt es den El Morocco, der irgendwie in beide Kategorien gleichzeitig fällt. Dabei war die Idee, die ihm zugrunde lag, ihrer Zeit um Jahrzehnte voraus.
Denn bereits 1955 wünschte sich der wohlhabende Kanadier Reuben Allender ein kleineres Modell von Cadillac, mit dem er seinen Enkelkindern das Autofahren beibringen konnte – quasi den CTS der Fünfziger. Den Namen entlieh er einem New Yorker Nachtlokal; die Basis sollte der neue Chevrolet Bel Air stellen. Allerdings verzögerte sich das Vorhaben immer wieder, bis bereits die neuen '56er Modelle auf dem Markt waren.
Mit projektilförmigen Stosshörnern und höheren Heckflossen wurde das Spitzenmodell der GM-Einstiegsmarke optisch den Topmodellen der Spitzenmarke angeglichen. Die Arbeiten waren jedoch so umfangreich, dass der "Cadillac zum Chevrolet-Preis" am Ende ziemlich genau das Gegenteil wurde. Daran änderte sich auch nichts, als Allender für 1957 den billigeren Chevrolet 210 zur Grundlage nahm.
Der kostete als viertüriger "Sport Sedan" mit V8 mindestens 2370 Dollar. Mit neuem Kühlergrill, neuem Heckstossfänger, neuen Flossen und Rückleuchten, silbern lackiertem Dach sowie Flankenschmuck nach Art des Eldorado Brougham waren für den El Morocco schon 3175 Dollar fällig – nicht viel für die Anmutung des 13'000 Dollar teuren Über-Cadillacs. Aber eben doch zu viel für einen Chevrolet.
So konnte Allender 1957 für gerade einmal 14 El Moroccos – zehn Sedans, zwei Coupés und zwei Cabriolets – einen Käufer finden. Das Vorjahr war mit 16 verkauften Autos kaum besser gewesen.
Einer der Viertürer, von denen immerhin sechs Stück überlebt haben sollen, wird seit gestern auf bringatrailer.com versteigert. Das Preis-Leistungs-Verhältnis gegenüber einem Chevrolet hat sich seit 1957 sogar noch deutlich verschlechtert. Letztesmal waren dem Verkäufer die gebotenen 82'600 Dollar nicht genug…

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