Vom Maschinisten zum Passagier
Einst war das Automobil ein rohes, sehr mechanisches Gebilde. Um es zu starten und zu fahren, brauchte man Geschick, Kraft und teilweise auch Leidensfähigkeit. Am Anfang war das in Ordnung, denn die Alternative war der Fussmarsch oder die Pferdekutsche. Das Automobil war schneller und einfacher in der Handhabung, mit all seinen frühen Schwächen. Aber man musste allerdings schon fast Maschinist oder Mechaniker sein, um den Wagen zu starten und in Bewegung zu halten.
Über die Zeit aber wurden die Autos immer komfortabler. Elektrostarter, automatische Getriebe, geschlossene Karosserien, Heizung/Klima und immer mehr elektrische und elektronische Helferlein hielten Einzug und erlaubten eine unbeschwerte Reise, nach der man weder schweissgetränkt noch abgekämpft ankam. Ein Oberklassen-Mercedes-Benz der Achtziger- oder Neunzigerjahre bot, genauso wie seine Konkurrenten, fast alle Annehmlichkeiten, die man sich wünschen konnte.
Die Entwicklung ging weiter und ist heute so weit fortgeschritten, dass man als Fahrzeuglenker kaum mehr zu tun hat als ein Auto-Passagier vor 100 Jahren. Moderne Autos fahren viele Kilometer weit, ohne dass der Fahrer eingreifen müsste. Autonomes Fahren auf Stufe 2 ist Realität, Stufe 3 schon bald auch. Tatsächlich wird der Fahrer damit mehr und mehr selber zum Passagier, entsprechend anders sind seine neuen Ansprüche. “Entertainment” ist gefragt, Musikwiedergabe auf Tonstudie-Qualitätsniveau und ein nettes Ambiente (mit wechselfarbigen Lichtimpulsen …). Wir sprechen übrigens hier bewusst nicht von Elektroautos versus Verbrenner, denn tatsächlich hat sich auch das Hybrid- oder ICE- (für “internal combustion engine”) -Alltags-Fahrzeug in diese Richtung entwickelt.
Natürlich sind nicht alle Autokäufer auf der Suche nach diesen modernen Errungenschaften, ein nicht unerheblich grosses Segment liebt weiterhin den echten “Driver's Car”, als ein Automobil, das beim aktiven Fahren Vergnügen und Befriedigung bereitet. Kein Wunder, sind Handschaltgetriebe gerade wieder sehr gefragt, aber auch sportlich tönende Auspuffanlagen.
Eine Frage, die sich aus Sicht des Oldtimerenthusiasten hier natürlich stellt, ist, ob die Leute, die mit solchen modernen Autos, in denen man als Fahrer eher Passagier ist, aufwachsen, je etwas mit einem klassischen Automobil anfangen können werden. Und die Folgefrage ist, wie gross denn das Segment jener sein wird, die noch “Freude am Fahren” empfinden wollen wie früher.
Eines ist aber sicher, ich selber gefalle mir eher weniger in der Rolle als fahrender Passagier …


























