Es war einmal ... das Autotelefon
Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass im Zeitalter von USB-Anschlüssen und Bluetooth-Schnittstellen in der Mittelkonsole quasi jedes Mobil- auch gleichzeitig ein Autotelefon ist. Gleichzeitig bestätigt diese Verallgemeinerung aber auch die Aussage dieses "Es war einmal…"-Beitrags: Die Zeit der fest im Wagen installierten Fernsprecher ist definitiv vorbei. Dabei liegt ihre Blütezeit noch gar nicht so lange zurück.
1959 begann die deutsche Post den "öffentlich-beweglichen Landfunkdienst" mit rund 150 Sendemasten in der Bundesrepublik Deutschland aufzubauen. Damals war die Sprechverbindung aus dem eigenen Auto heraus freilich noch ein Privileg, das sogar nur einem kleinen Teil den sprichwörtlichen "Oberen Zehntausend" vergönnt war: 1965 waren in der BRD gerade erst 2000 Autoanschlüsse registriert.
Anfang der Siebzigerjahre stieg die Zahl auf gut 6000, um im Jahrzehnt darauf förmlich zu explodieren und sich bis Ende der Achtziger auf etwa 30'000 Autotelefone zu steigern. Seit Mai 1972 konnte man sogar selbst vom Auto aus eine Nummer anwählen. Zuvor waren automobile Telekommunikatoren noch auf das berühmte "Fräulen vom Amt" angewiesen gewesen. Später folgten sogar Geräte mit automatischem Anrufbeantworter.
Die "Freisprecheinrichtung" ist hingegen deutlich älter. Bereits 1962 hat Dan Schutz, Sicherheitsdirektor des "Wisconsin Motor Vehicle Department", ein Autotelefon mit Fussbedienung und schwenkbarem Mikrofon an der A-Säule entwickelt. In Italien bezeichnete "Autotelefono" Anfang der Fünfzigerjahre übrigens ein Netz von fest entlang den Fernstrassen installierten Fernsprechern.
Mit dem Siegeszug der kabellosen Mobiltelefone nahmen die Ferngespräche am Steuer schliesslich derart zu, dass sie der Gesetzgeber verbieten musste. Das hat die modernen Motoristen freilich nicht von deren exzessiver Nutzung abgehalten. Eher im Gegenteil: bisweilen hat man das Gefühl, das Autofahren würde sie vom Handy ablenken.

































