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Sunbeam 1500 GT – Budget-Granturismo für die ganze Familie

Erstellt am 29. August 2019
, Leselänge 8min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
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Bruno von Rotz 
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Archiv 
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Der Sunbeam 1500 GT war die Speersitze eines Modells der unteren Mittelklasse, das die Rootes Group, die in den späten Sechzigerjahren von Chrysler übernommen worden war, 1970 als Sunbeam 1250/1500 lancierte. Obschon ein Erfolg, sind diese Autos fast komplett verschwunden, ein guter Grund, daran zu erinnern.

Sunbeam 1500 GT (1973) - vollwertiger Viersitzer auf 410 cm Länge
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Rückkehr in die untere Mittelklasse

Die Rootes Group, mit Marken wie Humber, Hillman oder Sunbeam grossgeworden, hatte in den späten Sechzigerjahren zwar kleine und grosse Autos im Programm, ein Fahrzeug für die untere Mittelklasse fehlte aber. Bereits 1963 wurden erste Spezifikationen definiert, doch entwickelte man zuerst den grösseren Hunter mit 1,7-Liter-Motor zur Serienreife. Anfangs 1966 wandte man sich dem Projekt dann erneut zu, um mit Zieltermin Januar 1970 einen neuen Viertürer auf den Markt zu bringen.

Tatsächlich schaffte man es dann einen Monat schneller und dies obschon die Entwicklung nach der Einflussnahme von Chrysler US teilweise auch in Amerika erfolgte. So wurden etwa zwei Styling-Varianten dies- und jenseits des Atlantiks erarbeitet, das Ergebnis war dann sozusagen ein Kompromiss aus beiden Entwürfen.

Namenswirrwarr

Im Februar 1970 wurde der viersitzige Sunbeam 1250/1500 vorgestellt, allerdings wurde er je nach Zielmarkt Hillman Avenger, Sunbeam Arrow oder eben Sunbeam 1250/1500 genannt. Im Laufe der Produktion, die in verschiedenen Ländern stattfand, kamen dann auch noch Chrysler Avenger, Dodge Avanger, Plymouth Cricket, Dodge Polara oder sogar Volkswagen 1500 nebst weiteren Marken-/Typen-Kombinationen noch als Bezeichnungen dazu.

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Moderne Konstruktion

Im Jahr 1970 war der Sunbeam 1250/1500 auf der Höhe der Zeit. Seine bei Rootes gefertigte selbsttragende Karosserie war zwar nicht überaus modisch, aber dank innovativer Klebetechnik deutlich leichter als Aufbauten, die nur mit Punktschweissung entstanden. 20 Prozent weniger Schweissstellen und 10 Prozent weniger Teile wurden beim Sunbeam benötigt, was zu einem geringen Leergewicht des Fünfsitzers ab 858 kg führte.

Sunbeam 1300 (1975) - als zwei- oder viertürige Limousine ab 8925 Franken erhältlich - Genfer Automobilsalon 1975
Archiv Automobil Revue

Die Motoren waren neu konstruiert worden und wiesen Querstromzylinderköpfe auf. Eine seitliche Nockenwelle und hängende Ventile entsprachen dem Stand der Massentechnik. Der 1248 cm3 grosse kleiner Vierzylinder leistete 54 PS bei 5000 Umdrehungen, der 1498 cm3 grosse Antriebssatz war für 64 PS bei 5000 Umdrehungen gut.

Kombiniert mit einem neuen Vierganggetriebe wurde die Kraft auf die Hinterachse übertragen. Diese war als Starrachse mit vier Längslenkern ausgebildet, während vorne McPherson-Federbeine mit Querlenkern für die Radführung sorgten. Scheibenbremsen vorne und Trommelbremsen hinten sorgten für die Verzögerung, eine Servohilfe war je nach Modellvariante an Bord. Eine Zahnstangenlenkung stellte den Kontakt zur Strasse sicher.

Ausstattungsvielfalt

Der Sunbeam-Käufer der ersten Stunde konnte unter verschiedenen Ausstattungsvarianten, je nach Markt De Luxe, Super, Grand Luxe oder ähnlich genannt auswählen und erhielt je nachdem nur das Wesentliche oder aber auch einiges an Luxus, z.B. Doppelscheinwerfer, mehr Instrumente, Sitze mit Liegestellung oder einen Aschenbecher für die Fondpassagiere, geboten.

Preislich lag man am unteren Ende der Klasse, Escort und Co. waren teurer.

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GT-Version mit mehr Kraft

Bereits gegen Ende 1970 wurde die schnellste Version der Baureihe, genannt 1500 GT, eingeführt. Wie die übrigen Modelle war er nur viertürig erhältlich, verfügte aber dank Doppelvergasern, ausbalancierter Teile, modifiziertem Zylinderkopf und überarbeitetem Auspuff nun über 76 DIN-PS bei 5400 Umdrehungen.

Von aussen gab sich der “GT” an einem mattschwarzen Kühlergrill, GT-Zierstreifen am unteren Karosserierand, spezielle Radkappen und eine eingeschwärzte B-Säule zu erkennen.

886 kg wog der kleine Sportler und er beschleunigte in 14,8 Sekunden von 0 bis 100 km/h und wenn nötig weiter bis 159 km/h Spitzengeschwindigkeit. Damit hängte er seine schwächere Geschwister, aber auch die Konkurrenz im ähnlichen Preissegment, der 1500 GT kostete CHF 9750, deutlich ab. Dazu verbrauchte er auch noch weniger als der normale 1500, nämlich 11 anstatt 12,8 Liter pro 100 km. Die Automobil Revue sprach von einem “kernigen, nicht unsympathischen Brummen”, das der Motor, der sich im mittleren Drehzahlbereich am wohlsten fühlte, von sich gäbe. Ab 40 km/h könne man im obersten Gang beschleunigen. Allerdings startete der mit zwei Horizontalvergasern von Stromberg ausgerüstete Vierzylinder nicht so gern, selbst in warmem Zustand war der Choke nötig, zudem zog sich der Anlasser zu früh zurück, befand die AR.

Das Getriebe aber wurde als “vorbildlich” beschrieben, es lasse sich präzise und leichtgängig schalten und auch die Synchronisierung arbeite fehlerfrei, bekundete die Automobil Revue nach einem ausführlichen Test. Auch das Fahrverhalten, das allerdings mit einer straffen Abstimmung erkauft wurde, überzeugte, die grosszügige Ausstattung sowieso, so dass einem positiven Fazit wenig entgegenstand:
“Mit dem 1500 GT bietet Sunbeam einen leistungsfähigen, kompakten und fahrsicheren Wagen unter 10’000 Franken an; er ist ein logisches Zusatzmodell der Typen 1250/1500, deren Fahrleistungen eher an der unteren Grenze der Hubraumkategorie liegen, und er spricht jene Fahrer an, die einen lebhaften Viersitzer von einiger Individualität wünschen und dabei keinen besonderen Wert legen auf aussergewöhnliche technische Merkmale und hohen Federungskomfort.”

GT kommt, geht und kommt wieder

Der viertürige GT blieb allerdings nur rund zwei Jahre im Programm, dann wurde er im September 1972 durch einen ähnlichen GLS mit drei PS mehr Leistung ersetzt. Der hatte nun Sportfelgen und ein Vinyldach und war eher in Richtung Luxus getrimmt.

Sunbeam 1500 GT (1973) - glänzend gelungene Zweitürer-Version - am Genfer Automobilsalon von 1973
Archiv Automobil Revue

Sportfahrer mussten aber nicht lange darben, denn bereits wenige Monate später erschien der GT erneut, nun aber als Zweitürer. Die Designer hatten die Karosserie überarbeitet und modernisiert, die Automobil Revue befand sogar, dass die zweitürige Limousine eher so wirke, als sei sie am Reissbrett entstanden, als der Viertürer. Speziell war sicherlich das Ende des Dachbereichs, das die C-Säule fast wie einen Targabügel wirken liess. Natürlich waren die Türen etwas länger geworden und der ganze Wagen wirkte trotz Wegfall der Doppelscheinwerfer sportlicher.
Als GT-Version gab es zudem gut sichtbare Rallye-Streifen und serienmässig ein farblich abgesetztes Vinyldach. Drinnen gab’s vier Rundinstrumente und ein Sportlenkrad.

Mit 9990 Franken blieb der zweitürige GT ein sehr gutes Angebot, der viertürige GLS mit gleicher Motorisierung kostete nun CHF 10’550.

Günstige Alternative

Auch im Jahr 1972 kam die Variante 1250 TC auf den Markt, mit der man sogar den Eintritt in den deutschen Markt erprobte. Auch der 1250 TC wies eine Zweivergaserbestückung auf und leistete trotz nur 1248 cm3 Hubraum 67 PS. Vor allem aber war er mit CHF 9800 und DM 7898 fast konkurrenlos günstig.

Sunbeam 1300 DL (1976) - für 9600 Franken viel Auto - Genfer Autosalon 1976
Archiv Automobil Revue

Allerdings war dies gemäss Werner Schruf von Auto Motor und Sport auch sein grösster Vorzug, denn in den meisten Punkten sei ihm die Konkurrenz deutlich überlegen, so Schruf.

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Der noch schnellere Tiger

Eine besondere Version trat 1972, allerdings nur für bestimmte Märkte, in Form des Hillman Avenger Tiger auf den Markt. Dank Optimierung des Motors mit Weber-Doppelvergasern und anderen Massnahmen leistete diese Variante, deren Namen an die Achtzylinder-Sunbeam Tiger erinnerte, nun über 90 PS bei 6100 Umdrehungen. Damit war das Modell sogar schneller als der Ford Escort Mexico. Viele wurden allerdings nicht gebaut, auch nicht von der überarbeiteten Version Tiger Mark 2.

Noch mehr Namen und Varianten

Im Jahr 1976 hiess der Wagen, erneut etwas überarbeitet, dann Chrysler Avenger, aber 1979 schliesslich Talbot Avenger. Inzwischen hatte PSA Peugeot Citroën Chrysler Europa übernommen. Eine interessante Abwandlung war der Talbot/Chrysler Sunbeam ab 1977, den es bekanntlich auch mit Lotus-Motor gab und der so sogar die Rallye-Weltmeisterschaft gewann.

Chrysler Sunbeam Lotus (1979) - Weltpremiere, mit auf 2,2-Liter Hubraum vergrössertem Lotus-Motor - Genfer Automobilsalon 1979
Archiv Automobil Revue

Während die Produktion in Europa 1981 nach rund 640’000 gebauten Exemplaren aufgegeben wurde, verliessen in Argentinien sogar 1990 noch letzte Abkömmlinge des ursprünglichen Avengers die Fabrik.

Ehrliches Auto

Wer sich ans Steuer eines Sunbeam 1500 GT setzt, braucht keine langen Instruktionen, um mit dem Wagen zurechtzukommen. Die Knöpfe sind gut beschriftet und viele davon gibt es nicht. Das Vierganggetriebe schaltet sich exakt und leichtgängig, der Sunbeam gibt sich handlich und handzahm.

Sunbeam 1500 GT (1973) - sportlich angehauchter Arbeitsplatz
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Es fährt sich gut im kompakten GT, dessen Aussenmasse geringer ausfallen als die eines modernen Golfs. Vor allem die reduzierte Breite bemerkt man, zudem ist die Übersichtlichkeit nach vorne deutlich besser als bei heutigen Autos. Nach hinten ist das Heck zwar nicht ersichtlich, aber es ist ja erfreulich nahe, so dass man auch beim Parken keine Mühe hat.

Sunbeam 1500 GT (1973) - längs eingebauter Vierzylinder mit 75 PS
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Natürlich entfaltet der brave Vierzylinder kein Temperament wie ein neuzeitlicher Turbo-Benziner, langsam ist man deswegen aber noch lange nicht. Im Alltag wird man kaum je abgehängt und Autobahn-Richtgeschwindigkeit erreicht der Brite in kurzer Zeit.

Sunbeam 1500 GT (1973) - macht Spass beim Fahren ohne anzustrengen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Bei Passanten stösst man meist auf fragende Gesichter, wenn der Wagen überhaupt auffällt. Kaum jemand kann sich noch an den Avenger erinnern und auch bei Briten-Treffen sind sie echte Exoten.

Das gefahrene Exemplar wurde aber über die Jahrzehnte gut behütet und lebt hoffentlich noch viele Jahre weiter.

Wir danken der Oldtimer Galerie Toffen für die Gelegenheit zur Fotosession. Der Sunbeam 1500 GT von 1973 wird am 19. Oktober in Toffen versteigert.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von hi******
05.07.2021 (11:14)
Antworten
Sehr guter Artikel über den Sunbeam 1500GT.
Seit 2019 ist genau dieses Exemplar in meinem Besitz und macht natürlich viel Freude einen Bericht über das eigene Auto zu lesen.
Der Sunbeam 1500GT wird von mir bei schönem Wetter regelmässig gefahren so wie gehegt und gepflegt. Nebst diesem Sunbeam besitze ich noch zwei Hillman Minx von 1959 und 1962.
Grüsse David Röthlisberger / Schweiz
von fo******
09.09.2019 (09:40)
Antworten
Tolles Auto - ist natürlich dem Ford Cortina GT (ab Ende 1967 als Mk II mit Querstromkopf und 1600 ccm) sehr ähnlich..... ein Auto welches ich aus Österreich bezogen habe und hier in Deutschland erstaunte Gesichter hervorruft..... Er fährt sich hervorragend und bringt alle Fahrer -innen zum lächeln...
Andreas Formann / Mühlhausen
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