Trojanische Pferde
„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ heisst es so schön. Und das gilt genauso für Oldtimer im Concours-Zustand, letztlich der höchste Glanzgrad, den man sich vorstellen kann. Nun wollen wir an dieser Stelle nicht die bekannte Frage nach Prunk oder Patina stellen, die im Laufe der letzten Jahre oft anders beantwortet wurde als noch vor 25 Jahren. Und wir verkennen auch nicht, das manche Restaurierung nötig ist und sich von daher neuer Glanz geradezu aufdrängt. Sondern es geht um Trojanische Pferde, um mehr Schein als Sein, um echte Verpackung und falsche Inhalte.
So lesen wir in einer Fahrzeugbeschreibung anlässlich eines kürzlichen Concours: „2009 wurden der Originalmotor und das Transaxle im Sinne der Erhaltung ausgebaut und konserviert, während Betriebseinheiten für den Fahrbetrieb eingebaut wurden – um die Nummern-Integrität zu schützen und gleichzeitig die Nutzung des Wagens zu ermöglichen.“ Nun wird man niemand verbieten wollen, seinen Oldtimer mit einem Motor nach Wahl zu fahren. Bei einem noch aktiven Rennwagen kann das sogar unumgänglich sein. Doch von einem Replika-Concours haben wir noch nicht gehört. Und wenn schon Autos ohne originales Herz und Hirn bewertet werden sollen, warum dann nicht gleich alles tauschen? Karosserie, Chassis, Fahrwerk?
Automobiles Kulturgut ist nur solches, welches auch seine Kultur bewahrt. Wenn ein Motor unwiderruflich kaputtgeht, muss man ihn durch einen originalen Motor ersetzen – matching numbers ade! Aber wenn der Motor noch existiert, warum jubelt man dann einer Jury einen Tauschmotor unter? Um die matching numbers zu erhalten, quasi die Rückversicherung in der Garage liegen zu haben? Man muss sich als Besitzer schon entscheiden: Will man Concours-Qualität oder Alltags-Oldtimer? Beides zusammen geht nicht.
Denken wir das mal bis zur letzten Konsequenz weiter: Ein Mille-Miglia-Teilnehmer will nichts riskieren und lässt sein Fahrzeug komplett nachbauen. Im Falle eines Totalschadens steht das Original sicher zuhause. Und wer das für Fantasterei hält – das soll schon vorgekommen sein. Zur Pre-Rettung des Kulturguts. Aber so funktioniert das leider nicht. Entweder wir bewegen Kulturgut oder eben nicht. Man hängt ja auch keine Mona Lisa in den Keller und präsentiert den zahlenden Besuchern ein Faksimile. Geschichten erzählen nur Originale. Selbst mit einem Kratzer von der Mille Miglia.

































