Sammlungskonzepte
Es ist klar, man sammelt, was einem gefällt, das beginnt meist mit einem bestimmten Automodell oder einer Marke. Die meisten bescheiden sich, aus vielerlei Gründen – Geld und Platz – auf ein Auto und legen sich dazu einen kleinen bis grösseren Fundus an Unterlagen, Modellen und so weiter an. Andere besitzen mehrere Wagen des gleichen Typs.
Und manche sind richtige Sammlungsphilosophen, die sich allerlei Gedanken machen, Systematiken entwickeln und nach strengen Regeln versuchen, ihre Sammlung zu erweitern oder zu vertiefen. Die völlige Abwesenheit eines erkennbaren Sammelsystems könnte man dann als Horten bezeichnen. Inwieweit dies schon als pathologisches Verhaltensmuster interpretiert werden kann, hängt wohl vom einzelnen Fall ab. Wenn es weder einen Schaden für den Hoarder – nennen wir ihn mal so – noch sein Umfeld bedeutet, dann steht es wohl keiner aussenstehenden Instanz zu, sich darüber ein Urteil zu bilden.
Hauptsache Simca – eine Sammlung oder einfach ein Teilehaufen?
Bei einer Englandreise hatte ich neulich die Gelegenheit, allerlei Gedanken zum Thema Sammeln auszutauschen. In einer Vielzahl der Fälle sind es tatsächlich der Platz und die finanziellen Mittel, die die Grenze abstecken, wie gross die Sammlung sein soll. Dies war zu erwarten. Interessant ist es allerdings, dass doch mancher Sammler sich eine geschickte Form der Sublimation zu eigen gemacht hat. Oder einfacher ausgedrückt: eine Art der Kompensation seines Sammeltriebs.
Da steht etwa ein einzelnes Auto in der Garage, aber unzählige Laufmeter Papier begleiten es: ausgeschnittene Medienberichte, Ausgedrucktes aus dem Internet, Notizen, Werkstattbücher und allgemeine Literatur. Andere sammeln Teile für ihr Auto. Das führt dann so weit, dass ich schon ganze Vitrinenwände voller NOS-Teile gesehen habe bei Menschen, die in ihrem ganzen Leben niemals die entsprechende Anzahl Fensterkurbeln, Benzinpumpen oder hinterer Abschlussleisten des Faltschiebedachs „verbrauchen“ werden. Doch selber ein Sammler, braucht mir auch niemand zu erklären, wie wohltuend der Anblick einer solchen Fülle an Herzensstücken sein kann, ob man diese nun braucht – was bei Ersatzteilen sogar als plausibles Argument, sie zu sammeln, dienen kann – oder eben nicht.
Interessant ist es auch, sich mit manchen Sammlern auf ihr ausgeklügeltes Sammelsystem einzulassen. Manche haben sich strenge Vorgaben auferlegt, was ihre Sammlung beinhalten soll. Da kommt mir etwa jener Kollege in den Sinn, der Leistungsdaten mit dem finanziellen Aufwand verbunden hat und so zum Schluss gekommen ist, dass ein Caterham Super 7 mit dem Rover-K-Series-VVC-Motor eine wirklich rein rationale, logische Schlussfolgerung darstellt – brillant.
Zufall: Derselbe Herstellungsort!
Und natürlich gibt es auch Zufallsammlungen. Eine solche steht etwa bei mir in der Halle. Man könnte sie als „Amerikaner, die nicht mehr existieren“ übertiteln. Absicht war das nie. Mir ist einst bei einer freien Minute in meinen Skiferien die Anzeige für meinen 1953er DeSoto Powermaster aufgepoppt. Später kam durch allerlei bemerkenswerte Zufälle der Studebaker meiner Tochter hinzu, kurz darauf fand auch der Graham Paige 619 in meine Werkstatt. Was ich bei diesem Wagen gar nicht wusste, ist die Tatsache, dass er in exakt derselben Werkhalle gebaut wurde wie der DeSoto, der „Warren Plant“ in Detroit, einst von den Gebrüdern Graham übernommen und 1947, nach dem definitiven Beschluss, die Autoproduktion sein zu lassen, an Chrysler zur Produktion des DeSoto verkauft.
Die raffinierteste Art, ein Sammlungssystem zu etablieren, aber scheint mir der 2019 verstorbene, bekannte Herausgeber der Haynes Manuals, des britischen Pendants zur deutschen Serie „Jetzt helfe ich mir selbst“, herausgefunden zu haben. John Harold Haynes sammelte allerlei bemerkenswerte Autos aus aller Welt, der ungewöhnlichste Teil seiner etwa 300 Objekte zählenden Autosammlung ist aber schlicht der Farbe „Rot“ gewidmet. Was vordergründig wie eine Selbstbeschränkung wirkt, eine Eigenschaft, die ja von der Gesellschaft meist als erstrebenswert angesehen wird, so lässt diese Sammlungsvorgabe im Prinzip der Leidenschaft freien Lauf. Und genauso wirkt sie dann auch, die Halle, die mit roten Autos vollgestopft ist. Nach meinem leider viel zu kurzen Besuch in Sparkford, Somerset im Haynes Motor Museum am vergangenen Wochenende ist für mich klar: Ich werde weiterhin sammeln, wozu ich Lust habe. Da sind Platz oder Kosten ganz natürliche, limitierende Faktoren, denn ich möchte mich weder ruinieren, noch dereinst von einer Lawine im eigenen Haus erschlagen werden.

































