Das Bild und seine Geschichte – oder: Das Bild hinter der Geschichte
In der Ankündigung "Kessel wird offizielles Sevicezentrum für Gordon Murray Automotive“ erscheint wohl eher zufällig ein Bild aus dem „Archiv" der Familie Kessel, das Loris Kessel, den Vater von Ronnie, im Brabham BT44, der vom damaligen Star-Designer Gordon Murray gezeichnet wurde, beim GP Österreich in Zeltweg zeigt.
Diese Aufnahme machte ich am 15. August 1976 als 16-jähriger aus dem Zuschauerraum der damaligen Texaco-Schikane. Der Tessiner startete als Teamkollege neben der einzigen Frau die je einen WM-Punkt (wenn am Ende auch nur ein halber) einfuhr, der Italienerin Lella Lombardi im englischen RAM-Team aus der letzten Startreihe zu seinem dritten und auch im letzten F1-Rennen. Lella Lombardi wurde mit 4 Runden Rückstand Zwölfte, während Kessel in der 44. von 54 Runden aufgeben musste.
Irgendwann später schenkte ich Loris eine Vergrösserung von dem Foto und liess mir eine zweite von ihm signieren. Wie ich nun mit Freude festgestellt habe, hat das Bild nicht nur im Archiv der Familie Kessel überlebt, nein auch bei mir ist es noch da und das auch noch mit der persönlichen Signatur. Der sympathische Loris Kessel starb leider schon am 15. Mai 2010, mit nur 60 Jahren, an Leukämie.
Inzwischen sind seit der Belichtung lange 50 Jahre vergangen, anders ausgedrückt ist das ein halbes Jahrhundert. Fotografien überleben uns alle, das ist klar und sie sind und bleiben auf immer und ewig Kulturgut von unschätzbarem Wert. Sie halten Momente der Zeitgeschichte für immer und ewig fest. Zeiten ändern sich, Bilder aber bleiben und dokumentieren Geschehnisse in Guten wie in schlechten Zeiten. Viele Momente, die man auch ohne Anzeichen einer Demenz schon fast gänzlich vergessen hat, werden an nächste Generationen übertragen.
Ich erinnere mich aber noch haargenau, wie wir damals schon um 5:00 Uhr früh am "Oe-Ring" standen, nur um satte 9 Stunden später zum Start des Grand-Prix auch wirklich ganz vorn am Zaun zu stehen. Es war nass und es war kalt, doch wir harrten mit Schirm und in Wolldecken gehüllt tapfer aus und wie man jetzt heute sehen kann, hat es sich ja doch irgendwie gelohnt.
Klar gewinnt das Bild keinen Oscar, aber es zeigt doch klar und deutlich einen ultrakurzen Ausschnitt aus dem Jahr 1976.
Festgehalten wurde der Moment mit einer natürlich noch analogen Asahi Pentax Spotmatic 135mm Kamera, bestückt mit einem 135-mm-Teleobjektiv, belichtet auf einen Ilford HP5 Schwarzweiss-Film.
Am Ende des Tages gewann John Watson (Penske-Ford) als völliger Aussenseiter überraschend vor Jacques Laffite (Ligier-Matra) und Gunnar Nilsson (Lotus-Ford) sein erstes, von insgesamt fünf, F1-Rennen.
So schliessen sich immer wieder Kreise, nicht nur zwischen Kessel und Murray, nein in gewisser Weise jetzt auch zwischen Ronnie (Kessel), Gordon (Murray) und mir …
In meinen beiden Büchern „Inside Formel 1“ und "Inside Formel 1 Lap 2“ sind unzählige dieser Geschichten zu lesen und deren Bilder zu sehen. Ein paar deren, die es mit ihrer Geschichte nicht bis in die Bücher geschafft haben, werden nun künftig an dieser Stelle einen Platz finden.


























