Auch Auktionen haben einst klein angefangen
Über Geld spricht man nicht, und in der Schweiz sowieso nicht. Vor mehr als 50 Jahren galt dies vielleicht noch mehr als heute. So ist es interessant zu lesen, wie die Automobil Revue in ihrer Ausgabe 30 vom 13. Juli 1972 zur Auktion des alten Museums von Monza den Umstand beschreibt, dass damals die Preise für Liebhaberfahrzeuge – oder wie sie die AR zu nennen pflegte: Klassewagen – schwierig zu eruieren seien, da man sich in der damaligen Szene darüber bedeckt hielt. In einer Auktion sei das nun anders und das könne für manchen Liebhaber zu einem Problem werden.
Wenn man gewisse Preise dieser Auktion betrachtet, mochte ein Unbedarfter zu Recht gedacht haben, es sei besser über Preise weit jenseits von 100'000 Franken Stillschweigen zu üben. Dazu muss aber angefügt werden, dass es sich um Wagen wie einen Alfa Romeo 8C 2300 Monza oder einen Maserati 250F gehandelt hat. Vom Ferrari 250 LM für etwas über 48'000 Franken wollen wir gar nicht erst reden…
Nun, die Auktion als Verkaufsform für Liebhaberautomobile war also Anfang der 1970er-Jahre auch auf dem Kontinent angekommen, dies, nachdem im Vereinigten Königreich bereits eine ältere Tradition darin bestanden hat.
Die Auktion in Monza – oder genauer: der Bericht dazu in der Automobil Revue – hat Martin Schröder (Schröder & Weise) im Herbst 1972 dazu veranlasst, auf seinem damals erst kürzlich bezogenen Automobil-Veteranen-Hof die erste Oldtimer-Auktion Deutschlands durchzuführen.
Angesetzt auf den 30. September 1972, reichte das Spektrum der angebotenen 12 Wagen vom volkstümlichen Opel P4 bis zu einem Mercedes-Benz 770K, den einst Reichs-Aussenminister Joachim von Ribbentrop benutzt haben soll. Und auch ein Lancia Augusta war mit dabei. Dieser war denn auch der Auslöser für Martin Schröder, uns von seiner ersten Auktion zu berichten, als Reaktion auf unseren Bericht zum Lancia Augusta von 1936 , der am 21. März 2026 in der Auktion Toffen unter den Hammer kommt.
Zu seinem Lancia erinnert sich Martin Schröder noch folgendermassen:
«Er wurde nicht nur nicht verkauft, es kam trotz der Menschenmenge gar kein Gebot. An den Einlieferer erinnere ich mich leider nicht mehr. Er hat den Wagen auf Achse gebracht, ich habe für den Katalog eine Probefahrt gemacht und er hat ihn wieder abgeholt. Ein weiterer Kontakt ist nicht entstanden.» Das Titelbild zeigt den Wagen prominent neben dem Pult des Auktionators stehend.
Der Katalog waren einige maschinengeschriebene Seiten mit eingeklebten Fotos, die als Kopie ausgehändigt wurden. Ein Mindestpreis war nicht veranschlagt, schade ist, dass die erzielten Resultate nicht erhalten geblieben sind. Gemäss Schröder aber gehört diese erste Oldtimer-Auktion nicht unbedingt zu den grössten Erfolgen in seiner langen Karriere als Oldtimer-Händler. Aber seine Auktion ist eine Pionierleistung! Und der fragliche Augusta dürfte, trotz seines Nichtverkaufs, vermutlich noch existieren.
Für das Exemplar, das am 21. März in Toffen versteigert wird, erhoffen wir natürlich nur das Beste. Wie immer auf Zwischengas.com, werden wir die erzielten Ergebnisse detailiert in unserem Auktionsbericht aufführen. Denn heute ist es nicht nur so, dass Klassiker in unserem umfangreichen Kleininserate-Teil meist mit deutlicher Preisangabe angeboten werden, sondern auch die Preis-Notierungen der namhaften Auktionen bei uns zu finden und bequem per Mausklick abrufbar sind! Da sind wir, wie die Preise seit damals, ein gutes Stück weiter als 1972…

































