Hätten Sie vielleicht Interesse?
Leistete man in der Schweiz als Fahrer Militärdienst, durfte man manche Scheune von innen sehen. Der Grund war, dass in den Übungsszenarien die Aufgabe gestellt wurde, ein Fahrzeug in einen sogenannten Bereitschaftsraum zu stellen, also dieses nahe einer Stellung – in meinem Fall einer mobilen Luftabwehreinheit – getarnt zu positionieren und abzuwarten. Bei einem ausgewachsenen LKW ist der Aufwand doch erheblich. Es gilt einen guten Standort zu finden, das Tarnnetz auszupacken und das Trummu lassen.
Wesentlich einfacher war es da, zum nächsten Bauern zu fahren und diesen zu fragen, ob der grosse Saurer nicht in seiner Remise verschwinden könne – in meiner aktiven Dienstzeit bestand der Fuhrpark noch grossmehrheitlich aus den Produkten des Herstellers aus Arbon am Bodensee.
Im Idealfall liess sich der „Lasti“ direkt hinter dem Scheunentor wegstellen, Schnauze nach vorn, damit man mit wenig Aufwand wieder wegfahren konnte. Natürlich galt es, ein Wachdispositiv aufzuziehen, doch oft gab es eine kurze Verschnaufpause mit einer Kanne Kaffee von der Bäuerin, den „Güggs“ – einen Schluck Selbstgebranntes – musste ich aussen vorlassen, für mich galt die strickte Nullpromille-Grenze.
Oft hoffte ich darauf, in einer dieser Scheunen irgend ein Fundstück zu entdecken, den Bugatti unter dem Heuhaufen etwa. Oder auch nur einen ausrangierten Bulli oder Käfer älteren Datums. Dies ist leider nie geschehen, nicht einmal ein Fahrrad wartete auf mich – Platz es zu transportieren hätte ich ja gehabt. Vielleicht hat mich ja eine höhere Macht vor noch mehr Krempel bewahrt.
Der lange ersehnte Scheunenfund!
Der Traum vom Bulli aus der Scheune sollte sich aber dennoch erfüllen, allerdings nicht während meiner Dienstzeit, sondern nach dem Ende eines Oldtimertreffens in Wald am Bachtel im Zürcher Oberland – an einem Sonntagabend. Erst noch mitten im Rummel, stand mein Bulli kaum eine Stunde nach dem Ende ganz alleine auf dem grossen Dorfplatz – ein typisch Schweizerisches Phänomen. Feste, egal welcher Grösse, sind am Sonntag nach 18.00 Uhr komplett verwaist, immer.
Ich wollte eben noch mein Material einräumen um mir noch mit den Organisatoren ein Eis gönnen, als mich ein älterer Herr auf meinen Bus ansprach, verbunden mit den magischen Worten: „So einer steht bei mir auch noch in der Scheune!“
Zusammen mit Kollegen standen wir eine Viertelstunde später auf dem Hof und fanden einen wirklich hervorragend erhaltenen, leicht modifizierten 1959er Bulli, der einst bei der Armee als Funkbus gedient hatte – rostfrei und trocken abgestellt. Der Kollege kaufte das Auto zu einem moderaten Preis und binnen weniger Abende war der Bus wieder einsatzbereit.
Neue Bremsen und Treibstoffleitungen, dann lief der 59er Kombi wieder
Seither wurde ich da und dort immer wieder gefragt, ob Interesse an Autos vorhanden wäre, sogar für einen VW Typ 166 Schwimmwagen – wie der in die Schweiz gelangt ist wäre eine Geschichte für sich. Ein Bulli war nie mehr dabei – und dank Plattformen wie zwischengas.com weiss heute auch ein Bauer mit reich gefüllter Scheune, was seine Preziosen wert sind!
Der beste Scheunenfund ist jener in der eigenen Scheune!

























